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Die Macht der Worte

Das Zitat im vorigen Beitrag flog mir genau zu, nachdem ich wieder Hasskommentare im Netz gelesen hatte. Es erwischte mich daher noch intensiver!
Aber dann erlebte ich, dass es von anderen nicht so gelesen wird wie von mir. Nicht nur hier, auch eine gute Freundin reagierte anders als von mir erwartet.

Es geht wohl darum, wie man jemanden einschätzt. Ich habe ein Beispiel von vorgestern:
Wir saßen am See in einem Lokal als ein besserer Tisch frei wurde. Wir wechselten dorthin und dabei muss ich versehentlich leicht an einer Frau im mittleren Alter angestoßen haben, gemerkt hatte ich das nicht und ich bin gar nicht sicher ob das so war, und das, obwohl ich mit gebrochener Rippe und lädiertem Knie ein wenig ungeschickt bin.
Sie stand empört von ihrem Stuhl auf und setzte sich böse schimpfend weg. "Oh, Entschuldigung!"  rief ich und rückte meinen Stuhl näher zu meinem Tisch um ihr mehr Platz zu lassen. "Kommen Sie!" rief ich, sie höflich einladend zurückzukehren. Sie nahm die Entschuldigung nicht an und keifte weiter. Daraufhin drehte ich mich grimmig zu ihr um und sagte: "Was sind denn Sie für eine Bissgurn?!" (Für Bärenmami: was sind Sie denn so bissig!) Sie dann zu ihrer Freundin im Ton des bedauernswerten Opfers: "Siehst du??"

Dieses Beispiel kehrt das Zitat da unten um hundert Prozent um. Es kommt immer darauf an, wie man jemanden sieht. Sie sah mich total ablehnend als Störfaktor, sie konnte mich nicht ertragen, aber damit kann ich umgehen ohne mich minder zu fühlen, aus dem Alter bin ich raus. 

In der Lehrerausbildung lernte ich: "Sagst du einem Kind, es könne nicht rechnen, wirst du es dazu verleiten, damit zu versagen."

Oh, mir fällt gerade auf, dass da lauter negative Beispiele vorkommen! Aber so sind "wir"! 

Hätte meine Mutter nicht immer geschimpft: "Du wirst Straßenkehrer werden!!" hätte ich mehr Selbstbewusstsein entwickelt um in der Schule bessere Leistung zu bringen.

Ich glaube, dass die positive Bestärkung den Menschen zu dem bringen kann, was er sein könnte. Alles andere macht ihn schlechter als er es verdient.

Und letztendlich ist Menschenliebe in dem Zitat. Das ist mir das Wichtigste daran.

Nickname 25.04.2026, 00.59

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Kommentare zu diesem Beitrag

9. von Regina

Ja @Tirilli, ich habe die Störung in deinem Blog bemerkt, aber auch Engelberts Tagebuch war zum gleichen Zeitpunkt nicht erreichbar.

@Bärenmami, ich wünsche dir ganz viel musikalischen Genuss! :)

vom 01.05.2026, 19.33
8. von Tirilli

Liebe Regina, :h: du bist DER HIT! Wahnsinn! Ich sah es schon am Geburtstag, hatte aber an 2 Tagen Gäste und dann Restaurant, so musste ich dich mit meinem Dank leider warten lassen. Gestern kam ich gar nicht in den Blog, irgend eine Störung, ging es euch auch so? Dieser Kommentar ist gefühlt nicht genug, da kommt noch was nach!
Liebe Bärenmami, herzlichen Dank auch dir! Was du mir wünschtest kann ich alles gut brauchen! :h:

vom 30.04.2026, 18.10
7. von Bärenmami

So, ihr Lieben, in den nächsten Tagen wird es von meiner Seite aus ein wenig ruhiger, wir putzen den Besen und treffen uns mit Freunden um ein paar Instrumente herum. Kommt alle gut in den Mai.

vom 29.04.2026, 21.20
6. von Bärenmami

@Regina war mal wieder schneller - was für ein Gedächtnis!

Liebe Tirilli,
auch von mir die besten Wünsche zu Deinem Ehrentag: Gesundheit , Frohsinn, Zufriedenheit und viele schöne Erlebnisse für das neue Lebensjahr.
Habt es heute fein, laß Dich feiern.
:h: :h: :h:

vom 28.04.2026, 13.47
5. von Regina

Worte...

Heute zum Geburtstag, da gibt es ein Gedicht
für dich, liebe Tirilli, vergesse ich das nicht.
Bin ich bei der Feier auch leider nicht dabei,
so wünsche ich doch, dass sie völlig stressfrei sei.

Auch dass sich erfüllt, was an Wünschen du so hast
und alles im Umfeld ganz ausgezeichnet passt.
Lass’ dir gratulieren, ich denke an dich heut’
und hoffe, der Gruß hat ein wenig dich erfreut.

Alles alles Gute, viel Gesundheit und Glück
und von der Torte für dich das beste Stück! :h:

vom 28.04.2026, 11.15
4. von Bärenmami

Gerne! Ich gestehe, daß ich dauern herumrätsele, wie man dem ollen Goethe auf die Schliche kommen kann und seinen Gedanken in unserem heutigen Sprachgebrauch deutlich zu machen.
"Annehmen" hat ja zwei Bedeutungen
1. etwas so nehmen wie es ist
2. etwas vermuten

Vermute ich, wie jemand ist, ohne zu sehen, wie er wirklich ist, enge ich ihn tatsächlich ein. Damit hätten wir dann einen Konsens.
Feiert schön!!

vom 26.04.2026, 14.40
3. von Tirilli

Liebe Barbara, ganz toll, oh danke! Ich kann gerade eben nur kurz dieses hierher kritzeln, es ist zu viel los hier, heute zB ein 60ger. Bitte um Geduld, aber ich hätte schon Lust, das weiterzuspinnen! 8-)

vom 26.04.2026, 13.38
2. von Bärenmami

Daß es allgemein um Bewertung geht, hab ich erst eben gesehen und antworte mal hier.

Das Thema "Wertung/ Bewertung" ist ein bißchen was anderes. Aber: Ein Lehrer muß den Stand eines Schülers kennen, also werten, im Sinne von "das hat er bisher gelernt, das fehlt noch". Das heißt, er muß den anderen einordnen können. Ob da dann gleich ein Vergleich mit anderen sein muß lasse ich mal außen vor.
Möchten wir nicht auch unser Gegenüber in irgendeiner Weise einordnen? Das geschieht doch oft unbewußt aufgrund unserer Erfahrungen. Immer triggert irgendwas oder irgendwer und wir reagieren darauf. Die Kunst ist, zu dem Trigger den genügenden Abstand zu haben/ sich den zu erarbeiten, um den anderen nicht vorzuverurteilen.
Trotzdem muß ich den anderen erstmal annehmen, wie er jetzt ist. Wird es zu anstrengend, weil er in seiner Blase selber vorverurteilt, darf ich mich zurückziehen, um meine Kräfte zu schonen. Es gibt sowas wie "vergebene Liebesmüh".

vom 25.04.2026, 12.35
1. von Bärenmami

Oh, ich freue mich, daß das Thema nochmal aufgenommen wird. Ja ich sah es auch eher vom pädagogischen Standpunkt her. Aber mein Ansatz ist ein klein wenig anders. Nuancierter? Vielleicht ist das Zitat etwas zu plakativ, denn mit ein wenig um die Ecke Denken, landen wir bei ein und demselben Ergebnis. Deshalb hatte mich mir meinen ergänzenden Kommentar erlaubt.

Positive Bestärkung braucht jeder und die ist für mich auf allen Ebenen eigentlich selbstverständlich.
Was mich an dem Zitat gestört hat ist wohl das Wort Annehmen = schlechtmachen. Den anderen anzunehmen wie er ist, impliziert für mich die höchste Form der Nächstenliebe.
Um positiv verstärken zu können MUSS ich den Menschen erstmal auf seinem aktuellen Stand mit allen Facetten annehmen. Darum ging es mir. Wenn ich mein gegenüber mit seinen Stärken und Schwächen wirklich annehme und ihm mit Liebe entgegentrete, heißt das nicht automatisch, daß ich ihm Entwicklungsmöglichkeiten nehme. Im Gegenteil! Ein "heute hast Du noch Mühe, aber Du wirst sehen, daß es bald leichter wird, wir gehen diesen Weg gemeinsam, ich stand auch mal da wo Du jetzt stehst" heißt: ich verstehe Deine Probleme, zeige Dir wie Du sie bewältigen kannst.
Immer nur das zu sehen, was der andere leisten KÖNNTE und nicht das, was er gerade leisten KANN und zu mißachten was er geleistet HAT- warum auch immer, denn es kann "gut gemeint" sein - führt im schlimmsten Fall zur totalen Selbstaufgabe und völliger Überforderung in allen Lebensbereichen, weil der andere zu diesem Zeitpunkt und mit diesem Ansatz sein Potential überhaupt nicht erkennen kann.
Deshalb bin ich für Förderung ohne Überforderung.

Was den Hass angeht: ich schüttele oft den Kopf, woher dieser und die immer größer werdende Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft kommen kann. In den sogenannten "sozialen" Netzwerken bin ich ja nicht und bekomme da wenig mit. Wie man dem noch entgegenwirken kann: leider hab ich da kein "Rezept". Die Menschen leben in "Blasen" und verlassen sich auf die dort verbreiteten Informationen, die absolut nicht harmlos sind und bewußt gestreut werden. Allerdings ist das für mich ein anderes Thema.
Über weiteren Austausch zum Thema würde ich mich freuen, denn vielleicht liege ich ja mit meinem Verständnis "daneben".

vom 25.04.2026, 09.50