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Einträge vom: 23.05.2006

Vor meiner Haustür

vor_dem_haus.jpg

Wenn ich früh genug nach Hause gekommen wäre, hätte es heute so ausgesehen. Heute war die Wiese noch schöner, blaue Blüten kamen dazu. Doch es war schon zu dunkel.
Ich liebe diesen Blick. Am Freitag war ich in der Blumenwiese um zu fotografieren, aber es ist kein besonderes Foto dabei. So mitteltolle Fotos aber schon...
Ich habe gerade so ein Bedürfnis mit den Fotos etwas zu machen. Das Blog animiert mich zu dieser Beschäftigung mit Fotos, vorher hatte ich das nie gemacht. Er bietet einen Anlass, manchmal ist das wie Selbsthilfe, dafür ist es da. Einfach aus Lust an der Freud.

Ich hatte heute mit besonders viel Power gearbeitet, denn morgen ist Prüfungstag. In Musiktheorie versuchte ich, mit den Schülern ihre selbst gemachten kleinen Kompositionsbausteine zu einem Ganzen zu fügen. So wie mit Legosteinen ein Objekt zu basteln ist das, was passt wo dazu? Sie haben das noch nie gemacht (ich auch nicht) und so war die Werkstattleiterin, also ich, viel zu umtriebig, einfach damit was weiter geht. Nächstes Mal ziehe ich mich mehr zurück, sie sollen kreativer werden. Die Schüler voteten dann am Ende dafür, das nächste Mal daran weiter zu arbeiten, das empfinde ich als Erfolg.

Nickname 23.05.2006, 23.29| (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: heute

Nicht nachweisbare Heimtücke

Ein bisschen lang der Beitrag, ich weiß. Aber er ist mir wichtig, ich wollte nichts auslassen.

Heute bat eine Kollegin mich als die Musiktheorielehrerin um ein Gespräch.

Es geht um einen etwa 17-jährigen Schüler. Er wohnt in einer anderen Stadt und muss mit dem Zug anreisen, etwa 65 km Anfahrt nimmt er auf sich. Dieser Schüler ist sehr begabt und äußerst engagiert. An unserer Schule spielt er gleich mehrere Instrumente (Volksharfe, klassische Harfe und Hackbrett) und in seiner Heimatstadt auch noch Akkordeon. Das sind fast alles Volksmusikinstrumente, er tritt auch manchmal in Tracht auf, aber auch Barockmusik, Klassik und Popularmusik wird leidenschaftlich musiziert. Wenn die sehr aktive Kollegin ihn bittet, ist er auch stets bereit zu kommen, manchmal fast jeden Tag und meist muss er dann stundenlang in der Schule warten. Im Gymnasium steht natürlich nicht immer alles zum besten, aber Musik ist eben sein Leben!

Dieses Jahr beabsichtigt er, die höchste Prüfung am Akkordeon abzulegen um dann ans Konservatorium zu wechseln. (Höchstens 2% der Schüler treten zu dieser Prüfung an!)
Dazu muss er aber das Fach Harmonielehre abgeschlossen haben. Der zuständige Lehrer seiner Heimatstadt hat ihn nun aber zum zweiten Mal durchfallen lassen, er hatte schon repitiert! Und das an einer Schule die freiwillig besucht wird, einfach nur aus Freude an der Sache! Ich fragte um die Prüfungsunterlagen, aber die sind nicht zu haben. Die Mutter durfte sie schon kurz sehen, aber für sie ist nichts nachprüfbar, wie soll sie sich auch auskennen. Der Chef dort sah sie auch, aber da verlautete nichts weiter. Meine Kollegin hatte ihn vor der Prüfung kurz getestet, er wusste alles! Ich bat den Schüler zu einem Gespräch und fragte, was denn geprüft worden sei. Modulation von H-Dur nach b-Moll. (Tonartwechsel nach strengen harmonischen Regeln) Das ist Hochschulstoff im 4. Semester! Ich wette, kein einziger Lehrer an unserer Schule kann das noch, das braucht man nämlich nie! Auch ich müsste erst nachsehen, einfache Modulationen kann ich, aber das ist das schwierigste Beispiel und ich habe einige Regeln nicht mehr im Köcher! Dabei musste ich in der Uni bei der Abschlussprüfung in dem Fach am Klavier modulieren, aber was man nicht braucht sortiert ja das Gehirn wieder aus.

Nun, ich habe absichtlich noch nicht geschrieben, dass der Schüler ein Adoptivkind ist. Ich glaube er ist aus Indien oder so ähnlich. Jedenfalls Asien und seine Haut ist dunkel, sehr dunkel sogar. Einer der auf der Straße vermutlich oft gemobbt wird. Der Prüfer aber ist der oberste Fuzzi der Blasmusik, rumstrallalla!!

Ich habe ja nichts gegen die Marsch äh Blasmusik an sich, aber diese Leute! Sie hatten mich vor ein paar Jahren aus meiner Funktion als Leiterin einer Dorfmusikschule gemobbt. Sie wollten einen Blasmusiker als Chef, denn die anderen Instrumente seien ja nichts weil sie der Gemeinde nichts nützen würden! Ja, genau so hatte man mir das in Gegenwart des Bürgermeisters verklickert und auch die Kulturreferentin hatte nicht widersprochen. Rumstrallalla, auch der Lehrplan der Musikschulen sollte sich ihren Wünschen unterordnen aber da hatten sie sich geschnitten. Tschumtrulliwummwumm, sie sind sehr mächtig! Ist ja auch kein Wunder wo doch unser Landeshauptmann neben der Bierzeltromantik das Völkische so sehr bevorzugt. Wen diese Herrschaften wählen kann sich jeder denken, ich verrate es jetzt nicht!

Ist ja auch wirklich ein Tabubruch wenn ein Farbiger so toll Volksmusik macht und dann auch noch in Tracht, gell?

*kotz!*


Nickname 23.05.2006, 00.46| (11/5) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: politisch