Astraryllis schrieb in einem Kommentar:
"Was Oper angeht, bin ich ein totaler Laie. Leider kann ich das Tolle daran noch nicht mal verstehen. Vielleicht könntest Du darüber irgendwann einmal etwas schreiben und evtl. etwas von Deiner Begeisterung weitervermitteln."
Ich bin gar keine spezielle Opernenthusiastin. Außer vielleicht bei Barock- und Mozartopern. Die anderen höre ich nur gerne live. Weil die Emotionen dann wahrer wirken.
Mir gefällt alles, was nicht nur kunstvoll sondern auch ehrlich ist. Es kann jeder Stil sein, bei großer Begabung und tiefsinniger Aussage bin ich immer enthusiastisch.
Wahrhaftigkeit in der Kunst ist für mich höchstes Gebot.
Wenn sich also, zum Beispiel in einer romantischen Oper, der Sänger spürbar hinter das Werk stellt, wenn seine Liebe der Musik gilt und seine künstlerischen Emotionen echt sind, bin ich berührt und begeistert.
Aber wehe, man spürt Selbstverliebtheit durch. Man hört bei Sängern sehr schnell, ob sie sich und ihre geliebte Stimme mehr ins rechte Licht rücken wollen als das Werk dem sie dienen.
Auch bei Instrumentalisten hört man stets, was in ihrem Inneren vorgeht. Das ist für mich eines der Wunder der Musik. Wenn ich mit jemandem musiziere, "höre" ich was er denkt. Musizierende atmen zusammen und spüren jede kleinste Regung des anderen. Sogar bei Schülern ist das so.
Ist aber einer nicht bei der Sache und nur technisch gut, langweilt er das Publikum sehr schnell. Es beginnt hohl zu klingen. Meist spüren es die ausübenden Künstler und vertuschen ihr Defizit durch viel Klimbim. Es ist ja bekannt, je mehr Trara, umso weniger Inhalt.
Um konkreter auf die Worte Astraryllis zu antworten:
Bei romantischen Opern geht es weniger ums Verstehen. Schwebt ein begabter Sänger in höheren Sphären weil er beim Singen so viel Seelentiefe empfindet, bringt er auch im Hörer eine altvertraute Saite zum schwingen, man kann sich nun mit jeder Faser auf seine eigenen menschlichen Empfindungen einlassen.
Das Verhältnis von Vernunft und Kunst