"Das Gedächtnis verbindet die zahllosen Einzelphänomene zu einem Ganzen. Und wie unser Leib in unzählige Atome zerstieben müsste, wenn nicht die Attraktion unserer Materie ihn zusammenhielte, so zerfiele ohne die bindende Macht des Gedächtnisses unser Bewusstsein in so viele Splitter, als es Augenblicke zählt." Der interessanteste Absatz aus einem
Gastbeitrag von Hans J. Markowitsch in der Rubrik "
Sience" des orf.at.
Alles was man analysiert und kategorisiert hat man dann auch besser verstanden. Daher finde ich diesen Beitrag so interessant, dass ich ihn euch nicht vorenthalten will.
"Zerstieben" ist übrigens ein Wort, dass ich in Österreich nie höre. Ich musste in wissen.de sogar nachsehen, was das genau heißt. Obwohl ja, wie so oft in der deutschen Sprache, der Klang die Bedeutung schon verrät.
Etwas anderes noch: Da steht im Zusammenhang mit dem episodisch-biografischen Gedächtnis:
"Wir bewerten, ob die Erinnerung einen freudigen oder traurigen Charakter hatte". Mir fiel dazu gerade ein: Unsere Spezies hat neben vielem anderen, eine ganz spezielle Befähigung: Er ist das Bewertungstier par exzellence.
Was wäre, wenn er über diese Anlage nicht so ausgeprägt verfügen würde?
Es gäbe weniger Unterdrückung, kaum Konflikte oder Kriege und gar keine Vorurteile. Aber es gäbe auch keine Entwicklung, keinen Ehrgeiz, der ja nicht immer schlecht ist. Und auch keine moralische Instanz. Damit auch kein Bewusstsein von Gut und Böse und ganz wichtig, keine Lebensaufgaben im geistigen Sinn!
Immer wieder komme ich zu dem Schluss: Es ist ja doch gut wie es ist.