"...je kräftiger das Theater an Tabus rüttelt, desto unterhaltsamer muss es sein. Und je gefährlicher Theater ist, desto mehr unterhält es."
Joshua Sobol
Ich war heute ungern und mit Furcht vor dem zu erwarteten Grauen in das Theaterstück "Gettho" von Joshua Sobol gegangen. Und mit dem Gedanken, so etwas doch nicht mehr sehen zu müssen, hatte ich mich doch während des Studiums mit allen Schrecklichkeiten dieser Welt recht ausgiebig befasst um diesen Teil des Lebens verstehen zu lernen.
Außerdem gab es schon letztes Jahr ein Stück mit demselben Thema im Abo, immer und immer wieder?
Aber es wurde ein für mich wertvoller Abend. Eine bessere Inszenierung für dieses zu recht berühmte Stück über das man
hier nachlesen kann, ist für mich überhaupt nicht vorstellbar. Die Regie hatte übrigens Joshua Sobol selbst übernommen. Und wie es im Eingangsszitat steht, das Stück war auch unterhaltsam, oft allerdings auf schreckliche Weise, es ist das Lachen im Hals stecken geblieben.
Es wirkten ausgezeichnete Schauspieler mit, allen voran eine junge Schauspielerin die unglaublich berührend die Puppe ihres bauchredenden Puppenspielers darstellte. (Auf der neuerdings wenig informativen Webseite des Stadttheaters Klagenfurt konnte ich leider nicht herausfinden, wie sie heißt) Aber auch die Darstellung des ambivalenten Nazi beeindruckte sehr. In seinem Verhalten war schon vorweggenommen, wie er sich später als Zivisilst von jeder Verantwortung wegstehlen wird.
Am Ende lud dieser Kommandant die Theatertruppe des Ghettos zum Dank für ihre Aufführung freundlich zu Brot und Marmelade ein, doch während sie sich zaghaft der Speise zuwandten, erschoss er sie alle mit einer einzigen Salve aus einem heimlich gereichten Maschinengewehr.
Dieses Bild wird mich noch lange verfolgen.......
"Ghetto" im Stadtheater Klagenfurt