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Einträge vom: 19.11.2010

Von einer Schwäche

Was ich jetzt schreibe, fällt mir nicht leicht, ich sehe es als persönliche Unzulänglichkeit. Und doch will es raus.

Auf dem Weg zur Tierärztin kollerten mir schon die Tränen. Ich fürchtete, dass es der letzte Weg für Tschutschi sein wird. Halbwegs beherrscht und manierlich schaffte ich es dann doch noch in den Warteraum. Es saßen einige da. Und dann verlor ich die Fassung. Alle Gefühle damals mit Frau Schnuzl waren da, der ganze damalige Horror schoß mir ins Hirn, ganz frisch und nochmal erlebt. Der gleiche Warteraum, die gleiche Situation. Ich wendete mich halb weg und weinte mit zuckenden Schultern still in mich hinein. Ein Pensionist, auch mit Katze, saß da und konnte gar nicht einfühlsam sein. Er redete zu mir dummes scherzhaftes Zeug, von sich, von seiner Frau und deren Katzengeschichten.

Neben ihm saß eine Frau in meinem Alter. Ich solle mir die Trauer doch erlauben, es rauslassen, meinte sie, annehmend, dass das Ende meines Kätzchens da sei, ich hatte ihr auf ihre Frage hin erzählt. Sie sei ehrenamtlich im Hospiz tätig und wisse, man solle seine Gefühle nicht zurück halten. Als sie dann später mit ihrer Katze aus der Ordination zurück kam, griff sie meine Schulter und fragte, ob ich jemanden hätte, der mich stützt. Ich musste verneinen. Sie bot mir an, am Nachmittag mit ihr im Wald zu spazieren. "Waldspaziergang hilft sehr!" rief sie überzeugt. Ich lehnte vielmals dankend ab, ich müsse in die Arbeit.

Oh weh, was habe ich für einen Eindruck bei ihr hinterlassen. Ein schwacher Mensch der Hilfe braucht, weil er zu schnell umkippt.

Und jetzt widerspreche mir keiner, es ist so! Es ist lebensuntüchtig. Vorgestern in der Klinik kam eine Frau ohne Katze aus der Ordination. Die war gerade eingeschläfert worden und die Frau weinte nicht! Das ist besser!
Kommt noch dazu, dass ich im Kopf eine Fehlsteuerung habe. Weinen vermeide ich schon mein Leben lang. Es erleichtert mich nicht. Im Gegenteil, es macht mich für viele Stunden ganz kaputt. Auch jetzt noch, 12 Stunden später bin ich so fertig davon, dass ich am liebsten nur herumliegen würde.

Nickname 19.11.2010, 23.35| (8/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: bekümmert

Weiterhin kritisch

"Aber nein, nicht einschläfern, wir brigen sie durch!" sagte die homöopathisch arbeitende Tierärztin. "Antibiotika weg, die sind doch da kontraindiziert, die wirken doch gar nicht.  Sieh mal, die Wundstellen sind ganz braun und trocken, der Körper kann nicht mehr reagieren, sie sollten so nicht aussehen. Antibiotika schwächen das Immunsystem, zerstören sogar wichtige Zellen, bei Phlegmonen habe ich schon vor Jahren damit aufgehört, mit Homöopathie heilt es schneller." Und sie klang sehr sicher und von ihrer These überzeugt.
Sie gab Tschutschi die homöopathische Arznei und zusätzlich über eine Infusion Flüssigkeit.

Man könne damit rechnen, dass die Wunden in einigen Stunden wieder rosa und nass aussehen, ich solle sie aber anrufen, ob es so sei.

Es war so. Schmerzmittel das längerfristig wirkt, bekam sie auch. Tschutschi hat das ganz ruhig gemacht. Unheimlich ruhig. Bis auf die Momente, wo sie Flüssigkeit erbricht. Nur Flüssigkeit, denn Fressen und Trinken tut sie schon Tage nicht mehr. Eine junge schlanke Katze könne mehr als 3 Tage ohne weiteres überleben, hatte mir die Ärztin erklärt.

Aber da ist noch was...

Auf Rat der heutigen Tierärztin war ich dann nicht in der Klinik. Weil ich zum ausgemachten Zeitpunkt nicht anrufen konnte, hatte ich den Termin auch nicht abgesagt. Ist ja Klinik, da geht es rund und ist nicht so persönlich... dachte ich.

Aber dann kam der Anruf der anderen Ärztin. Peinlich.
Sie meinte, man hätte sich doch zusammenschließen können, die Homöopathin hätte sie doch anrufen sollen um alles bisherige zu erfragen, man arbeite doch stets gut zusammen. Sie wollte heute Tschutschi einem anderen Arzt vorführen um zu diskutieren, was der über den mandarinengroßen Knoten am Bauch meine.
Oh? Davon hatte sie mir nichts gesagt! Die zweite Ärztin hatte dort nicht abgetastet, ich hatte das ja nicht erwähnt.
Ein Bruch vielleicht, so sagte diese mir dann wieder am Telefon. Diesmal schon aus Deutschland, wohin sie inzwischen gefahren war.
Morgen früh wird ihr Mann das begutachten, er ist auch vom Fach. War eh eine Infusion ausgemacht.
Lebensgefahr besteht jedenfalls weiterhin.

Nickname 19.11.2010, 23.04| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Fräulein Tschutschi