Ausgewählter Beitrag
Nachlese zum gestrigen Bild
Eine Erklärung zu dem Bild über den Moment des Todes schrieb ich nun bei zwei Kommentaren.
Ich bin den beiden Kommentatorinnen dankbar, dass ich Gelegenheit bekam, zu erklären. Denn mir kommt vor, nur wenige können mit dem Bild etwas anfangen.....
Das Thema ist ja außerdem unangenehm. Ich stelle mir vor, wie jemand in bester Laune hierher geklickt hatte und dann das......
Böse Tirilli... ;-)
Nachlese zum gestrigen Bild
Eine Erklärung zu dem Bild über den Moment des Todes schrieb ich nun bei zwei Kommentaren.
Ich bin den beiden Kommentatorinnen dankbar, dass ich Gelegenheit bekam, zu erklären. Denn mir kommt vor, nur wenige können mit dem Bild etwas anfangen.....
Das Thema ist ja außerdem unangenehm. Ich stelle mir vor, wie jemand in bester Laune hierher geklickt hatte und dann das......
Böse Tirilli... ;-)
Halloween
Es läutete Sturm.
Huch, so spät noch jemand? Ich öffnete vorsichtig ein Seitenfenster. Draußen standen fünf pubertierende Burschen, sie waren unverkleidet, sahen aber aber auch so zum Fürchten aus.
"Süßes oder Saures" riefen sie krächzendend durcheinander und quetschten sich dabei an den Zaun vor der Tür. Einer rief gar "Süßes und Saures" aber die Süßigkeiten, die sie unwissentlich anboten, hatten sie gar nicht dabei.
Etwas ungern öffnete ich die Haustür und gab mich forsch:
"Ja hallo, das ist doch bei uns überhaupt nicht Brauch? Was muss ich denn jetzt überhaupt auf diesen Spruch antworten?"
Ein Bursche spontan: "Bitte!"
Allgemeine Stille....
Ich musste heimlich grinsen.
Plötzlich riefen alle durcheinander: "Geld gibt man, ein Zehner ist das mindeste!" "A paar Scheinchen!" "Geld, Geld!"
Ich ließ mich nicht einschüchtern:
"Gleich einen ganzen Schein? Und da kommt ihr ausgerechnet zu mir! Schaut euch mal um, sehe ich etwa reich aus?"
"Des is Wurscht, man gibt Geld!" Geld, wenigstens an Fünfer!" "Jooo, Geld, Scheinchen!"
Fünf glänzende Augenpaare starrten mich gierig an und drückten dabei beinahe den Zaun ein.
"Ist euch eigentlich klar, dass ihr jetzt gerade nichts anderes als Bettler seid?"
"Hö, das ist gemein!" "Fies!" Einige und taten beleidigt.
"Ich glaub, ich habe gerade kein Kleingeld, leider!"
"Mocht nix, an Schein!" "An Zehner!" "Mindestens an Zehner!" "Genau, an Zehner!!"
"Ma, ihr nervts! .....Na gut, ich schau halt mal."
Ungerührt kramte ich in der Brieftasche und beförderte endlich 4 Euro und 20 Cent heraus. Einer Münze fiel bei der Übergabe auf meiner Seite des Zauns auf die Erde.
"Ane is obe g´folln, doo!!!" rief ein Jünling aufgeregt und forderte mich mit dem Zeigefinger auf, sie aufzuheben. Das Wort "Bitte" war auch in dieser Situation noch nicht gefallen, das lähmte mich beim Bücken irgendwie. Außerdem war es zu dunkel, die Münze sofort zu finden.
"Das passt schon, die wächst jetzt da." frotzelte ich.
Allgemeine Verdatterung, ihre Augen blickten erstaunt nach unten, als würden sie für meine Behauptung eine Bestätigung suchen.
"Tja, Gier lähmt das Denken, gell Burschis!" Aber das dachte ich mir nur.
Als sie die Münze dann doch bekamen, hob eine aufgeregte Debatte an, wie man jetzt 4, 20 Euro durch fünf zu teilen hat. "Jeder kriegt gleich viel!" beschwor einer mit erhobenem Zeigefinger und alle zappelten aufgeregt.
Das rührte mich nun doch, ich nestelte noch einen Euro heraus und forderte dafür die 20 Cent zurück. Willfährig suchten sie nun doch tatsächlich die kleine Münze und ich amüsierte mich heimlich über diese Harmlosigkeit unter rauher Schale.
"Ach passt schon" zwinkerte ich den Burschen mit dem Kleingeld an. Der blickte erstaunt und ich sah Melancholie in seinem Blick.
Als der Rest der Bande schon davon polterte, blieb einer noch kurz am Zaun stehen, hob den Daumen und sagte noch schnell, bevor er den anderen nachlief, anerkennend:
"Ey, fünf Euro, meine Hochachtung!"
Hoffentlich bleinben sie so harmlos, aber sicher bin ich mir da leider gar nicht....
Der Tod als Tabuthema... Ich sage: Nicht unbedingt. Im ersten Moment trauen sich vielleicht viele nicht, es anzusprechen, vermutlich, weil sie nicht wissen, wie sie es behutsam und mit Rücksicht auf die Gefühle von Menschen, die damit schon auf die eine oder andere Weise konfrontiert wurden, anpacken sollen.
Aber wenn es doch einer schafft, es einfühlsam anzuschneiden, löst sich manchmal doch ein Knoten. Und das ist auch gut so.
Denn wenn man über etwas reden kann (ich weiß, wie viel Überwindung es im Einzelfall manchmal kosten kann, aber es lohnt sich) dann denke ich, kann man ihm auch angstfrei gegenübertreten, wenn denn die Zeit eines Tages gekommen ist...
Liebe Grüße zurück! Karin
vom 03.11.2006, 01.15