Ausgewählter Beitrag

Über das Singen.

Eine Schülerin muss morgen in einer anderen Schule bei einem Eignungstest vorsingen. Nächstes Schuljahr will sie in dieser Schule aufgenommen werden, das Problem: Sie singt nicht sehr "sauber". Daher feilten wir gemeinsam fast zwei Stunden lang an ihren zwei vorbereiteten Liedern.
Richtiges Singen ist erlernbar, sogar wenn man nur ein bisschen musikalisch ist!
Diese Schülerin ist ein typischer Fall, im heutigen Musikunterricht wird nicht mehr genug gesungen.
Woran ich das merke? Sie kann ihre Fehler selber hören und sie allmählich korrigieren. Für den Test dürfte es eventuell zu spät sein, aber wenn sie weiterhin ein wenig daran arbeitet, wird auch sie halbwegs reine Töne singen können. Natürlich kam auch von ihr dieses obligate bittere "ich kann nicht singen!"
Ich weiß nicht, woher so viele Menschen das haben, diese allgemein verbreitete Singhemmung gab mir schon oft zu denken.
War denn da immer ein Kritiker schuld, der irgendwann dem Kind das Singen mies gemacht hatte? Kann ich mir nicht vorstellen! Da müssten ja unheimlich viele Kritiker in unserer Gesellschaft herumlaufen.
Sicher ist, dass wir alle in uns das Gefühl tragen, beim Singen zu viel von unserem Innersten herzuzeigen. Scheinen wir zu diesem Gefühl vielleicht veranlagt zu sein? Oder ist es doch eher ein Kulturproblem? Ich weiß gar nicht, ob diese Scheu in den meisten Kulturen vorkommt.
Jedenfalls stimmt es doch gar nicht, wir geben uns beim Singen doch gar keine Blöße! Ich denke, das muss man sich mal bewusst machen.

Zufällig hörte ich heute in einem anderen Zusammenhang, dass die Lehrerin einer Volksschulklasse mit den Kindern in der Musikstunde meist rechnet statt zu singen.
Sie hält eben rechnen für wichtiger....

Welch ein Irrtum! Singen ruft nicht nur Glücksgefühle hervor, es fördert auch die Konzentration, das Spüren des Miteinanders und sogar die Intelligenz. Wäre der Gesang aber tatsächlich nur Lebenshilfe, so wäre er doch trotzdem ein ganz besonderer Wert?
Erziehung und Gesellschaft sind in unserer Kultur viel zu kopflastig.

Nickname 10.03.2008, 23.04

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Kommentare zu diesem Beitrag

5. von Eva

singe wem Gesang gegeben und wennst ned kannst, dann singst daneben ;)
Ich sing gerne .... leider ned immer richtig .... ich komm mal zum Üben zu Dir :)
Grüße aus Franken von Eva :)

vom 11.03.2008, 21.31
4. von Eveline

Hast du mich gehört?

Dann brauchen wir ja hier nicht weiterdiskutieren :D

vom 11.03.2008, 13.07
3. von Frau Mo

Vielleicht ist diese Singhemmung echt kulturbedingt. In unserer Gesellschaft trauen sich die meisten auch nicht zu tanzen, das ist in südlicheren Kulturen zum Beispiel anders. Dort singen, pfeiffen und trällern auch mehr Leute vor sich hin als bei uns. Bei uns wird solcher "Lärm" meist als störend empfunden, da regt sich schnell mal wer auf... ich habe sogar schon von Nachbarn gehört, die sich beschweren wenn zu laut gelacht wurde...
Das ist sicher bei uns anerzogen, dass man sich geniert, wenn man aus sich herausgeht.
Schade!

Liebe Grüsse!

vom 11.03.2008, 11.05
2. von Kehrtraud

Mit dem Singen ist es wie mit der mathe: Jeder kann es, aber viele glauben , sie könnten es nie und nimmer lernen. Nicht jeder wird eine Callas, nicht jeder ein Einstein - aber das was man so braucht, das kann man/frau lernen.Ein bisschen Übung gehört halt dazu.
Kleine Kinder singen gerne. DAs sehe ich an unserer Fiona. Manchmal richtig, manchmal nicht so richtig - klar, sie ist erst drei.
Meine Erinnerung an die eigene Kindheit ist: Kaum dass ich drei Töen von mir gegeben hatte, rief mein Vater falsch, falsch! Drum sing ich auch heute nur selbst erfundene Lieder mit Fiona. da MUESSEN die Töne schräg sein.
Oder ich komme zu dir, damit ich es doch noch lerne.
liebe Grüße
Kehrtraud

vom 11.03.2008, 08.11
1. von Veety

Singen, musizieren, malen, schauspielern ... alles Dinge, die in der unzivilisierten Kultur nichts zu suchen haben. Unwichtig, zeitverschwendend, unnütz.
Obige Fächer, inkl. Sport, werden daher in den Stundenplänen gekürzt oder ganz gestrichen.
Was ist das doch für eine arme Gesellschaft ...

vom 11.03.2008, 07.59

Über das Singen.

Eine Schülerin muss morgen in einer anderen Schule bei einem Eignungstest vorsingen. Nächstes Schuljahr will sie in dieser Schule aufgenommen werden, das Problem: Sie singt nicht sehr "sauber". Daher feilten wir gemeinsam fast zwei Stunden lang an ihren zwei vorbereiteten Liedern.
Richtiges Singen ist erlernbar, sogar wenn man nur ein bisschen musikalisch ist!
Diese Schülerin ist ein typischer Fall, im heutigen Musikunterricht wird nicht mehr genug gesungen.
Woran ich das merke? Sie kann ihre Fehler selber hören und sie allmählich korrigieren. Für den Test dürfte es eventuell zu spät sein, aber wenn sie weiterhin ein wenig daran arbeitet, wird auch sie halbwegs reine Töne singen können. Natürlich kam auch von ihr dieses obligate bittere "ich kann nicht singen!"
Ich weiß nicht, woher so viele Menschen das haben, diese allgemein verbreitete Singhemmung gab mir schon oft zu denken.
War denn da immer ein Kritiker schuld, der irgendwann dem Kind das Singen mies gemacht hatte? Kann ich mir nicht vorstellen! Da müssten ja unheimlich viele Kritiker in unserer Gesellschaft herumlaufen.
Sicher ist, dass wir alle in uns das Gefühl tragen, beim Singen zu viel von unserem Innersten herzuzeigen. Scheinen wir zu diesem Gefühl vielleicht veranlagt zu sein? Oder ist es doch eher ein Kulturproblem? Ich weiß gar nicht, ob diese Scheu in den meisten Kulturen vorkommt.
Jedenfalls stimmt es doch gar nicht, wir geben uns beim Singen doch gar keine Blöße! Ich denke, das muss man sich mal bewusst machen.

Zufällig hörte ich heute in einem anderen Zusammenhang, dass die Lehrerin einer Volksschulklasse mit den Kindern in der Musikstunde meist rechnet statt zu singen.
Sie hält eben rechnen für wichtiger....

Welch ein Irrtum! Singen ruft nicht nur Glücksgefühle hervor, es fördert auch die Konzentration, das Spüren des Miteinanders und sogar die Intelligenz. Wäre der Gesang aber tatsächlich nur Lebenshilfe, so wäre er doch trotzdem ein ganz besonderer Wert?
Erziehung und Gesellschaft sind in unserer Kultur viel zu kopflastig.

Nickname 10.03.2008, 23.04| (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Musik

Kalenderblatt März

08kalbl_3_kl.jpg

Nickname 10.03.2008, 11.31| (6/6) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Fotos

Hafner´ss Paradise

Ich habe gerade im Fernsehen diesen sehr interessanten Film gesehen. Es handelt sich um eine Doku über einen alten Nazi, der in Spanien unbehelligt und von den Francisten geschätzt, sein Pensionistendasein genießt. Und dies, nachdem er dort sein halbes Leben lang "deutsche Schweine" gezüchtet hatte, wie er das selbst ausdrückte. (!)
Einer, der zwar selbst in Dachau gearbeitet hatte, aber trotzdem den Holocaust leugnet. Auch, als einer der damals in Dachau Internierten extra nach Spanien fährt, um ihm Fotos von Leichenbergen - fotografiert unmittelbar nach der Befreiung - zu zeigen und ihm dabei die Quelle der Fotos genau angeben kann. Der Alte aber hält nur abweisend die Hand vor die Augen, spricht von Propaganda und schweigt dann nur noch.... Der Besucher gibt schließlich resigniert auf.
Der Alte wünscht sich immer noch, die Hitlerei wäre für ewig gewesen und vertritt natürlich die Meinung, alles Schwache gehöre ausgemärzt. Dass er inzwischen in seinem Greisentum selbst zu den Schwachen gehört, übersieht er natürlich, hält er sich doch für einen strammen Herrenmenschen.

Zu schade, dass es nirgends ein Forum für Seher gibt und das habe ich auch beim ORF und auf der Webseite des Films per Mail kritisiert. Denn ich denke, erst mit den Reaktionen der Seher ist diese Geschichte auch wirklich vollständig abgehandelt.

Ich hätte am Ende meines Forenbeitrags geschrieben, dass im Grunde auch dieser Greis zu den Opfern des Nationalsozialismus gehört, auch wenn er ein Täter von der schlimmsten Sorte ist. Denn dieser ständig krampfhaft summende finstere Mann wirkt mehr als verbittert und leidend, nach meinem Gefühl ist er durch dieses ständige Verdrängen ein vollkommen zerstörter Mensch.

Aber mein Mitleid hat er nicht, das kann ich nur für die Opfer aufbringen.

Hafner´ss Paradise
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Nickname 10.03.2008, 01.43| (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: politisch

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