Ausgewählter Beitrag

Das Phänomen Haider

Heute wurde er begraben und die Stadt befand sich im Ausnahmezustand.
Hinter uns haben wir nun eine Woche mit massenhaften Trauerbezeugungen, und die Menschen gaben sich durchaus unbeeinflusst von seinem schweren Verkehrsdelikt. Obwohl er mit 160 kmh an einer Stelle mit 70ger-Beschränkung gerast war und mit 1,8 Promille im Blut rücksichtslos auch andere gefährdet hatte, bleibt die gesamte Anhängerschaft treu. Was ja bei einem Normalsterblichen anders wäre, Otto Normalo wäre im gleichen Fall von unseren typischen Leuten normalerweise nur mit Häme und dem abtuenden "Selber Schuld" quittiert worden....
Zusätzlich wussten dann auch alle, wo er die letzten zwei Stunden seines Lebens verbracht hatte. Nämlich in einem Szenelokal das vornehmlich von Homosexuellen besucht wird. Das ist ja an sich nicht weiter verwerflich, nur, er hat dort außerdem gesoffen und das Volk sieht beides halt normalerweise nicht so gerne....

Und doch, er wurde als großer Österreicher und unter großer Anteinahme der Bevölkerung zu Grabe getragen und wird nun wohl zum Mythos reifen.

Die Überschrift dieses Beitrags lässt vermuten, dass ich jetzt als Landsmännin detailliert und klärend beschreiben werde, wie er zum Volkshelden wurde und warum so viele Menschen derart trauer(te)n. Das kann ich allerdings nur bedingt, zu vielschichtig ist das Thema. Ich werde daher nur die Komponente beschreiben, die mich selbst am meisten interessiert. Wer das Phänomen Haider genauer verstehen will, wird sich in das Thema vertiefen müssen. Ein paar Links dazu stelle ich am Ende dazu.

Mir ist wichtig, hier ein wenig klärend zu wirken, denn was ich in deutschen Blogs las, ließ mir teilweise die Haare zu Berge stehen.

Nein, hier leben nicht lauter faschistoide Menschen, auf jeden Fall nicht mehr, als sonst irgendwo auf der Welt.

Ich versuche mal ein wenig zu erklären:

Haider war ein willkommenes Objekt für die Medien weil er eine schillernde Persönlichkeit war und Charisma hatte. Was nicht automatisch bedeutet, er sei ein hervorragender Mensch gewesen... Vielmehr gab er sich als er der "toller Typ", nach dem die Gesellschaft stets lechzt und er passte Kleidung, Redestil und Gehabe jedem Klientel neu an. Den Journalisten und Fotografen stand er jederzeit begeistert zur Verfügung, mehr noch, er war dazu veranlagt, sich mit Genuss ablichten zu lassen und zusätzlich zu den Amtsgeschäften und der Parteipolitik ließ er es sich nicht nehmen, von einer Veranstaltung zur nächsten zu eilen. Dort schüttelte er jedem die Hände und hatte für alle ein paar persönliche Sätze übrig.
Die Leute stehen ja gerne neben Prominenten, fühlen sich von der vermeintlichen Leuchtkraft des Bewunderten selbst angeleuchtet und wenn so jemand das ermöglicht und dabei auch noch kumpelhaft agiert, hat er zumindest die Herzen der wenig Selbstbewussten und der Unkritischen schnell in der Tasche.
In unserem Bundesland gab es keine Zeitung oder politische Sendung, die nicht täglich über Haider berichtete und ständig Bilder von ihm brachte. Er hatte auf diese Weise im Wohnzimmer aller Platz genommen, ob man es nun wollte oder nicht, er wurde sozusagen Lebensmitglied. Sei er nun abgelehnt und gefürchtet gewesen, oder sei er verehrt worden, keiner konnte sich dieser Person entziehen. Da hätte man jegliche Medien konsequent ausschalten müssen. (Wie ich es genau deswegen teilweise immer mehr getan hatte)

So war durch den überraschenden Tod Haiders den Menschen ein inzwischen Vertrauter ganz plötzlich abhanden gekommen.

In Ermangelung anderer Persönlichkeiten wurde in den letzten Tagen dieses Vakuum mit Tränen und Emotionen gefüllt und alles, was nun über die letzten Stunden Haiders aufgedeckt wurde und das Bild des braven Ehrenmannes eigentlich erschüttern hätte müssen, war nur noch geeignet, den Überbringer der schlechten Nachrichten stellvertretend wütend zu verdammen.

Hilflosigkeit und Obsession der "Haider-Entzauberer" (Der Standard)
Haider, der unerkannte Austrofaschist (Robert Menasse in "Die Presse")
Haiders Verklärung (Egyd Gstättner aus Klagenfurt in der "Süddeutschen")
Klenks Watchblog
Der Lindwurm
Die Diadocherln (Günter Traxler in "Der Standard")
Das Ende einer Dienstfahrt (Robert Misik auf YouTube)
Haider von Ausländerbande ermordet? (Satirische Reaktion auf so lautende Gerüchte)

Nickname 18.10.2008, 23.20

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Kommentare zu diesem Beitrag

9. von Inge aus HH

Liebe Tirilli,

weißt Du, ich glaube, in alle Ländern gibt es linke und rechte Politiker und wenn man will, dann findet man bei jedem etwas auf der weißen Weste.

Es steht mir nicht zu in irgendeiner Form zu kritisieren, wir haben genug Politiker bei uns im Land, denen man nicht trauen kann. Das gilt übrigens nicht nur für diese Leute, sondern auch für uns Normalbürger und das überall auf der Welt.

Wie auch immer, ich denke, es hatte ein Mensch einen tödlichen Unfall und das ist traurig. Ob er nun selbst Schuld hatte oder nicht, das ist eine andere Sache. Immerhin ist es normal, wenn Menschen trauern, jeder auf seine Art.

Nein, ich denke nicht rechts, ich bin immer noch ein Mittedenker mit Vorbild Helmut Schmidt, aber es ist ein Mensch tödlich verunglückt und das ist in jedem Fall traurig.

Liebe herzliche Grüße von
Inge aus Hamburg
:nachdenk:

vom 19.10.2008, 19.30
8. von Brigida

Danke liebe Tirilli
Ja unter dem Himmel passieren schon so manche unglaublichen Dinge.... wie dieser tödliche Unfall.... und natürlich stürzen sich wieder alle auf ein Thema.....
Wenn sie sich doch endlich auf wirklich wichtige Themen stürzen würden ;o)
Du weisst, wie ich das meine....
Liebe Grüsse und alles Gute für Dich
Deine Brigida

vom 19.10.2008, 19.03
7. von Maria


Noch was:
Hier klicken

vom 19.10.2008, 13.38
6. von Maria

Danke, Tirilli, für die vielen Links.

Hier ist noch einer:
Hier klicken

LG
Maria

P.S.: Fühl Dich fest umarmt!

vom 19.10.2008, 13.23
5. von Eveline

Ergänzung:
Francesco hat's auch ganz gut zusammengefasst: Hier klicken

@ Quizzy
genau so!
Das Halbwissen ist gefährlich - sehr...
... und die Verallgemeinerung....


vom 19.10.2008, 09.07
4. von Quizzy

Danke, liebe Tirilli, für diesen informativen Beitrag, den ich voller Interesse gelesen hab. Nun wird mir endlich einiges klarer - du weisst ja, dass mich Politik normalerweise vollkommen kaltlässt.

Mir läuft jetzt ein kalter Schauer den Rücken runter, denn so wie dich politische Ignoranz erzürnt, rege ich mich auf, wenn Menschen angesichts der derzeitigen Börsenkrise auf einseitige Berichterstattungen hören und mich mit dummen "B.ild-Zeitungs"-Parolen nerven!

Ich wünsch dir einen erholsamen Sonntag

Liebe Grüße & einen Knuddler
Renate

vom 19.10.2008, 08.25
3. von Maria


Eher zufällig verfolgte ich gestern übers Internet die Feierlichkeiten in Klagenfurt.
Es war faszinierend. Und gleichzeitig wurde mir übel.

Ich fragte mich, wofür Jörg Haider stand/steht.
Was er stellvertretend für die Bevölkerung gemacht hat, dass er nun so verabschiedet wird.

Und keiner, wirklich niemand machte den Mund auf und erzählte, wie es war, wenn wer anderer nehmen ihm zu 'groß' und beliebt wurde und er diese Personen 'abschoss'.
Oder seine z.T. absolut 'verrückten' Aktionen, wenn er z.B.Österr. Gerichtshof herausforderte (Ortstafelfrage).

Ehrlich, ich sass davor und hab mich nur gewundert und fühlte mich ganz allein auf weiter Flur.

Danke, Tirilli, für diesen Deinen Kommentar.

Liebe Grüße Maria

P.S.: An Frau Schnuzl ein paar Streicheleinheiten von mir.

vom 19.10.2008, 08.08
2. von marion

danke besonders für den link zu r. menasse, ich finde, er hat das "phänomen" haider am treffendsten zusammengefasst.
in einem anderen artikel hiess es, er habe auf die frage, wovor er angst habe geantwortet: vor nichts. darüber darf sich jetzt jeder mal seine eigenen gedanken machen.
die handlungen, die letztlich zu seinem tod geführt haben, zeugen von einer grossen respektlosigkeit und verantwortungslosigkeit anderen gegenüber. mit dieser haltung hat er sich letztlich entlarvt. und dieses darf man seinen gesinnungsgenossen, die ihn nun zum mythos erheben wollen, getrost entgegenhalten. man wird bei der beurteilung der person haiders an diesen nackten tatsachen nicht vorbeikommen.

vom 19.10.2008, 00.45
Antwort von Nickname:

Manesse ist immer sehr interessant, ich finde ihn auch unbedingt lesenswert! Auch in anderen Themen trifft er stets den Nagel auf den Kopf.
*Dir feste zuwinke*


1. von Eveline

Weil mich diese oft so einseitige Berichterstattung so "anzipft", kommt von mir doch auch mal und gegen alle Prinzipien (hoffentlich bereu ich's nicht *g) ein politischer Kommentar *es geschehen noch Zeiten und Wunder....

Am allerschlimmsten bei der ganzen (ausländischen) Berichterstattung ist ja, dass so manch einer vom Rest der Welt der mehr oder minder glaubwürdigen Presse zu glauben scheint, dass die ~20/30.000 „Verehrer“ für ‚alle’ stehen und nicht kapieren, dass das weder alle Kärntner sind und schon gar nicht alle Österreicher, auch wenn sich manch ein einfaches Gemüt genau das suggerieren lässt...
...und dann waren noch die, die zu den Feierlichkeiten kommen mussten, Politiker, Beamte, Vereinsmitglieder - ich glaub ja nicht, dass die da alle standen, weil sie der gleichen (politischen) Meinung sind wie er....

H. war omnipräsent im Leben, dazu hatt er sich gemacht - es ist gar nicht möglich, dass er es im Tod nicht ist...

Bei den nächsten Wahlen wird sich sehr schnell zeigen, wie viele Menschen ihn als Person gewählt haben - die, die es nicht besser wissen, wählen den, den sie kennen - also den, der jeden Tag bei ihnen aus dem Fernseher schaut, präsent ist und ihnen die Hand schüttelt - und das tat er nun mal...
Ich glaube nicht, dass ohne ihn das Orange weiterhin so leuchtet...

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Gut's Nächtle liep Tii *ganzliebdrück*

vom 19.10.2008, 00.33

Das Phänomen Haider

Heute wurde er begraben und die Stadt befand sich im Ausnahmezustand.
Hinter uns haben wir nun eine Woche mit massenhaften Trauerbezeugungen, und die Menschen gaben sich durchaus unbeeinflusst von seinem schweren Verkehrsdelikt. Obwohl er mit 160 kmh an einer Stelle mit 70ger-Beschränkung gerast war und mit 1,8 Promille im Blut rücksichtslos auch andere gefährdet hatte, bleibt die gesamte Anhängerschaft treu. Was ja bei einem Normalsterblichen anders wäre, Otto Normalo wäre im gleichen Fall von unseren typischen Leuten normalerweise nur mit Häme und dem abtuenden "Selber Schuld" quittiert worden....
Zusätzlich wussten dann auch alle, wo er die letzten zwei Stunden seines Lebens verbracht hatte. Nämlich in einem Szenelokal das vornehmlich von Homosexuellen besucht wird. Das ist ja an sich nicht weiter verwerflich, nur, er hat dort außerdem gesoffen und das Volk sieht beides halt normalerweise nicht so gerne....

Und doch, er wurde als großer Österreicher und unter großer Anteinahme der Bevölkerung zu Grabe getragen und wird nun wohl zum Mythos reifen.

Die Überschrift dieses Beitrags lässt vermuten, dass ich jetzt als Landsmännin detailliert und klärend beschreiben werde, wie er zum Volkshelden wurde und warum so viele Menschen derart trauer(te)n. Das kann ich allerdings nur bedingt, zu vielschichtig ist das Thema. Ich werde daher nur die Komponente beschreiben, die mich selbst am meisten interessiert. Wer das Phänomen Haider genauer verstehen will, wird sich in das Thema vertiefen müssen. Ein paar Links dazu stelle ich am Ende dazu.

Mir ist wichtig, hier ein wenig klärend zu wirken, denn was ich in deutschen Blogs las, ließ mir teilweise die Haare zu Berge stehen.

Nein, hier leben nicht lauter faschistoide Menschen, auf jeden Fall nicht mehr, als sonst irgendwo auf der Welt.

Ich versuche mal ein wenig zu erklären:

Haider war ein willkommenes Objekt für die Medien weil er eine schillernde Persönlichkeit war und Charisma hatte. Was nicht automatisch bedeutet, er sei ein hervorragender Mensch gewesen... Vielmehr gab er sich als er der "toller Typ", nach dem die Gesellschaft stets lechzt und er passte Kleidung, Redestil und Gehabe jedem Klientel neu an. Den Journalisten und Fotografen stand er jederzeit begeistert zur Verfügung, mehr noch, er war dazu veranlagt, sich mit Genuss ablichten zu lassen und zusätzlich zu den Amtsgeschäften und der Parteipolitik ließ er es sich nicht nehmen, von einer Veranstaltung zur nächsten zu eilen. Dort schüttelte er jedem die Hände und hatte für alle ein paar persönliche Sätze übrig.
Die Leute stehen ja gerne neben Prominenten, fühlen sich von der vermeintlichen Leuchtkraft des Bewunderten selbst angeleuchtet und wenn so jemand das ermöglicht und dabei auch noch kumpelhaft agiert, hat er zumindest die Herzen der wenig Selbstbewussten und der Unkritischen schnell in der Tasche.
In unserem Bundesland gab es keine Zeitung oder politische Sendung, die nicht täglich über Haider berichtete und ständig Bilder von ihm brachte. Er hatte auf diese Weise im Wohnzimmer aller Platz genommen, ob man es nun wollte oder nicht, er wurde sozusagen Lebensmitglied. Sei er nun abgelehnt und gefürchtet gewesen, oder sei er verehrt worden, keiner konnte sich dieser Person entziehen. Da hätte man jegliche Medien konsequent ausschalten müssen. (Wie ich es genau deswegen teilweise immer mehr getan hatte)

So war durch den überraschenden Tod Haiders den Menschen ein inzwischen Vertrauter ganz plötzlich abhanden gekommen.

In Ermangelung anderer Persönlichkeiten wurde in den letzten Tagen dieses Vakuum mit Tränen und Emotionen gefüllt und alles, was nun über die letzten Stunden Haiders aufgedeckt wurde und das Bild des braven Ehrenmannes eigentlich erschüttern hätte müssen, war nur noch geeignet, den Überbringer der schlechten Nachrichten stellvertretend wütend zu verdammen.

Hilflosigkeit und Obsession der "Haider-Entzauberer" (Der Standard)
Haider, der unerkannte Austrofaschist (Robert Menasse in "Die Presse")
Haiders Verklärung (Egyd Gstättner aus Klagenfurt in der "Süddeutschen")
Klenks Watchblog
Der Lindwurm
Die Diadocherln (Günter Traxler in "Der Standard")
Das Ende einer Dienstfahrt (Robert Misik auf YouTube)
Haider von Ausländerbande ermordet? (Satirische Reaktion auf so lautende Gerüchte)

Nickname 18.10.2008, 23.20| (9/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: politisch

Es sind nun die letzten Tage...

Einige liebe Menschen haben mir Mails geschrieben, in denen sie mich nicht nur trösten, sondern auch in der Hoffnung bestärken wollten, dass mein Kätzchen doch noch gesund werden könne.

Ich will mich hier dafür ganz herzlich bedanken. Aber auch informieren. Es ist zu spät für Heilung. Mir ist daher ein Anliegen, dass alle lieben Anteilnehmenden das nun erfahren.

Frau Schnuzl hat einen großen Tumor neben der Leber wie ich seit heute weiß. Ich habe daher die lebensverlängernden Infusionen nicht mehr machen lassen.

"Solange sie keine Schmerzen hat und ihr auch nicht übel ist, hat sie ein Anrecht auf einen natürlichen Tod" sagte die Ärztin. "Aber das mit dem Hunger? Darf man sie denn so sehr hungern lassen?" Sie habe den Eindruck, dass Katzen in dieser Situation hauptsächlich keinen Appetit mehr haben, das Hungergefühl dürfte vermutlich nicht zu stark sein.
Das tröstet mich.

Die Ärztin bot mir an, sie im Fall von Schmerzen mit Hilfe eines homöopathischen Mittels sterben zu lassen. Es sei ein glücklicherer Tod als der mit der Spritze. So wird es vielleicht sein.

Nun, wo ich also dieses Hin und Her an Hoffnung und Hoffnungslosigkeit hinter mir habe, wird mir fast etwas leichter. Es fühlt sich besser an, genau zu wissen was nun kommen wird. Ich kann mich darauf einstellen und konkreter damit umgehen.

Als ich ein Tier angenommen hatte, nahm ich auch seinen künftigen Tod mit zu mir. Ich werde diese Zeit überstehen, sie ist um ein Vielfaches weniger als die 14 Jahre Glück die ich geschenkt bekommen hatte. Ich bin so dankbar für diese Jahre!

Frau Schnuzl, damals in einer weniger schwierigen Lage.

Nickname 17.10.2008, 20.18| PL | einsortiert in: bekümmert

heiß - kalt

Frau Schnuzl hat mich heute zum ersten Mal nicht begrüßt. Außerdem hat sie schon 24 Stunden nichts mehr gefressen....

Um 22 Uhr darf ich die Tierärztin anrufen. Manchmal verschlimmern sich bei der homöopathischen Behandlung ja die Sympthome zunächst... eine winzige Hoffnung.

Manchmal empfinde ich, als wenn mir das Schicksal Zeit lassen wolle, das Geschehen akzeptieren zu lernen.

Ich habe die Kommentarfunktion ausgeschaltet, ist doch besser so, es ist doch alles schon gesagt.

Nickname 16.10.2008, 21.44| PL | einsortiert in: bekümmert

Eine Begegnung und über Kinderjahre

Ich muss etwas Erstaunliches erzählen!

Die ganze unten beschriebene Anamnese hindurch hatte die erwähnte Ärztin meinen Nachnahmen im Kopf und sie wusste gar nicht, warum! Ich hatte mich in der Anfangsphase gar nicht vorgestellt und wir kennen uns nicht! Aber, wir kannten uns! Vor etwa 40 Jahren, in der Kindheit waren wir ein Jahr lang Klassengenossinnen! Ich habe natürlich keinerlei Erinnerungen an sie. Und ich war damals ein Mädchen mit langem blonden Zopf, wirklich, da ist keinerlei Ähnlichkeit mehr! Ein Jahr und vor 40 Jahren in einer ganz argen Klasse, deswegen hatte sie auch diese Schule verlassen.

"Ausgerechnet an mich kleines gemobbtes Nichts im Klassenverband erinnern Sie sich?" "Doch, weil du von Chile kamst und so nett warst."  "Ich nett? Ich war doch die, die sich stets unterwürfig gab und überall um Freundschaft heischte, es gelang aber nie, ich hatte keine Chance." Doch sie erinnerte sich, auch an eine andere Mitschülerin von der auch ich noch weiß. "Ich weiß nicht, warum, aber ich habe noch jahrelang an dich denken müssen" Ich kann es kaum glauben!

Wegen dieser rabiaten Klasse waren das die schlimmsten Jahre meiner Kindheit. Jederman durfte mich schlecht behandeln, traf ich auf die böse Clique vor der Schule, wurde ich vom Rad gerissen und verhauen. Ich wusste nicht, dass diese Klasse besonders arg war und bezog das alles nur auf mein eigenes unvollkommenes Wesen. Ich flehte mit Hilfe von Nettigkeiten um Freundschaften und umso mehr ich das tat, desto schlimmer wurde es. Damals lebte ich in tiefer innerer Depression, doch keiner merkte das. Nicht die Mutter, der Vater erst recht nicht, der kam spätabends müde heim und war für die Strafe zuständig wenn die Mutter sich über mich und meine schlechten Schulnoten beklagte. Die Strafe waren körperliche Züchtigungen. 

Ich selbst wusste das mit der Depression natürlich erst recht nicht, die Welt war halt so, Kinder habe ja keinen Vergleich.
So hatte ich das Übel in der Schule und zu Hause auch. Die Folge war, dass ich mich beim Aufgaben machen in meine Phantasiewelt zurückzog, träumte und immer furchtbar trödelte. ( Die Trine wurde ich damals! *g*)
Bald hatte ich in allen Hauptfächern ein Nichtgenügend, was das Selbstbewusstsein noch tiefer rutschen ließ. "Du wirst Straßenkehrer werden!!" wurde ich immer zu Hause ausgeschimpft und so manche Lehrerin zeigte mir offen und hämisch ihre Verachtung.
"Du willst in eine höhere Schule?? Du taugst höchstens zur Putzfrau, stell dich weg!"

Es war ausweglos und einmal, als mein Vater mich wieder schlug, sperrte ich mich ins Klo und er konnte durch die Milchglastür sehen, wie ich am Fenstersims stand und ihm androhte, vom dritten Stock zu springen. Ich hätte es nicht getan, wollte ihm nur Angst machen, in meiner Hilflosigkeit sah ich darin die einzige Möglichkeit, seinen überaus festen wütenden Schlägen zu entkommen.

Ich fand eine Freundin in der Nebenklasse. Sie war in einem sogenannten B-Zug, damals die Schulform für weniger begabte Kinder. Doch dann wurde ich in die Direktion gerufen, ein in der damaligen Schulhierarchie fast ungeheuerlicher Vorgang. Verschüchtert saß ich da und erfuhr, dass mir verboten sei, mit diesem Mädchen Umgang zu haben. Es war anscheinend eine sogenannte "Stürzlerin" doch das erklärte man mir nicht, es wurde nur einfach verboten und ich empfand das als arg ungerecht, mir die einzige Freundin zu nehmen. Ich habe selten in meinem Leben so abgrudtief geheult wie damals vor dieser alten Direktorin. Sie wunderte sich zwar wie ich merkte, fragte aber nichts weiter, verboten und Schluß!

Ich habe mich dann in der nächsten Schule aus eigener Kraft aus dem Dilemma gezogen und wurde sogar eine leidlich gute Schülerin.

Fast das ganze Erwachsenenalter hindurch spürte ich den seelischen Schaden aus dieser Zeit, er war mir stets bewusst. Inzwischen ist das überwunden. Mehr noch, ich empfinde nun, wie ich aus dieser harten Zeit sogar profitiere. Indem ich sensibilisiert bin für Dinge, die im zwischenmenschlichen Bereich nicht richtig laufen und indem ich den Schülern viel positive Bestärkung zu geben versuche.
Es hat mich aber auch in gewisser Weise zu einer Einzelgängerin gemacht....

Nickname 16.10.2008, 00.15| (8/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: nachdenklich

Das muss ich jetzt einfach erzählen!

Heute Nacht, in wachen Stunden, beschloss ich, mein Kätzchen eventuell doch gleich am nächsten Tag einschlafen zu lassen. Manche hatten mich bearbeitet, auch telefonisch und ich sah ein, dass ich wohl zu viel an mich denke. Gleich vorweg, es ist nicht passiert.

Die Fahrt zum Tierarzt lag auf dem gleichen Weg wie zu der mir unbekannten Homöopathin. Ich nahm mir vor, an der Weggabelung zu entscheiden. Und landete bei der Homöopathin.

Gleich als ich den Warteraum betrat bemerkte sie mich mit meinem aufgelösten Aussehen und kam total nett auf mich zu. Ich kam sofort dran. Nun die Untersuchung, ein Röntgen und mehr als eine Stunde Anamnese. Ich wurde detailliert über den Charakter der Katze befragt, über alle Krankheiten seit der Geburt, ja es wurde überhaupt nichts nicht gefragt. Inzwischen hatte der zweite Tierarzt das Röntgen begutachtet und festgestellt, dass die Leber eigentlich recht gut aussieht, dass aber bedenkliche Kalkeinlagerungen in der Bauchspeicheldrüse seien.

Dieser Fall ist äußerst selten. Die Tierärztin hat ihn selbst noch nie gehabt und muss sich erst darüber kundig machen und nachlesen. Aber sie habe gehört, es gäbe da was, das eventuell ein wenig helfen könne, diese Ablagerungen zu verringern.

Meine allererste Frage war ja gewesen, ob es nicht menschlicher wäre, Schnuzelchen zu erlösen. Nein, sie sei noch viel zu vital dazu! Mein Tierchen bekam dann eine Infusion gegen Flüssigkeitsdmangel, eine homöopathische Arznei auf´s Näschen und als wir wieder zu Hause waren, fraß sie das empfohlene Hühnerfleisch! Auch jetzt am Abend nahm sie das Essen an! Wenig zwar, aber gerade noch genug! Wenig ist im Moment eh besser. Am Abend rief mich die Ärztin an um zu sehen, wie es nun steht und wie es infolgedessen weiter gehen soll. Ist das nicht eine großartige Ärztin?

Nickname 15.10.2008, 23.02| (9/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: heute

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