Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Geschichtchen

Eine berührende Begegnung.

Der Nebel hatte sich allmählich gelichtet und ein blitzblauer Himmel lud dazu ein, zum See zu radeln. Dort angekommen spazierte ich auf den Steg, ich wollte die himmlische Aussicht auf den gleißenden See genießen.

Was ich aber nun zu sehen bekam, war doch sehr unerwartet. Da lag ein winziges schlafendes Baby auf den Brettern und ich ließ mich spontan zu einem verzückten "ooh" hinreißen. Rundherum saß die Familie, sie blickten sehr ernst, fast misstrauisch. Nun hatte ich mal angefangen und redete gleich weiter. "Hello!" Ich hockte mich nieder und lächelte zuerst die Mutter an, dann alle anderen  und spürte tiefe Depression bei allen. "Are you Refugees?" "Yes."

Wie ich erfuhr kamen sie aus Syrien, Damaskus. Außer dem Mann saßen da noch drei Kinder im Alter von 12 bis 15, sehr gedämpft waren auch sie, aber sie schauten neugierig. "Camp not good", meinte die Mutter, "so cold." Sie zeigte auf das Baby, imitiere Husten und sagte "In Hospital! But now better".  Das Zeltcamp im Dorf steht nahe bei meinem Haus.

Diese Frau war in der Familie die einzige, die ein wenig Englisch konnte. Der Vater überließ mir seinen Platz an der Bootshauswand. Ich winkte zwar ab, vergebens. Nun setzte ich mich also dazu und fragte die Kinder nach den Namen, um sie ein wenig einzubeziehen. Sie zeigten auf meine Frage hin auch mit den Fingern ihr Alter. Dann wandte ich mich wieder an die übrigens unverschleierte Frau :  "And your Parents?" "In Homs." "Oh, Homs....!" Ich signalisierte, dass ich wisse. "We are from Homs. Bombs!  So we go to Damaskus. Then Bombs in Damaskus. We had to go!" Immer wieder zeigte sie verzweifelt auf die Dose mit der Babynahrung.

"What do you need?" fragte ich . "Money..."  "Oh, I have nothing with me" meinte ich bedauernd und zeigte meine leere Manteltasche.

Ich versprach spontan, ihr welches zu holen, sie könne ja einstweilen schon Richtung Camp gehen, wir würden uns dann sicher begegnen. Aber da war nichts zu machen, nein, sie wolle lieber da warten. Was ich dann erst später verstand. Vor anderen Flüchtlingen war es wohl nicht so gut, etwas in Empfang zu nehmen, außerdem hatte sie wohl Sorge, wir würden uns verpassen.

Die Familie schlenderte mit mir in den angrenzenden Park und der Vater machte ein Foto. Ich war zur Seite getreten, aber er wollte genau mich mit auf dem Bild haben und zeigte mir dieses dann, es sei doch gut geworden. Da sah ich das arg zerbrochene Glas auf dem Display, er lächelte deswegen nur und zuckte mit den Schultern.

Tja, ich hatte recht weit zurück zu radeln. Der Bahnschranken blieb ewig geschlossen und ich stellte mir beim Warten vor, wie sie nun wohl zweifelten, ob ich überhaupt wiederkommen würde.

Zu Hause dachte ich beim Blick in die Brieftasche: "Jetzt nur nicht kleckern. Das Geld ist bei jenen zehn mal mehr wert als bei dir." Dann griff ich noch nach Keksen und Nüssen und war gleich schon wieder auf dem Rad.

Als ich den Park erreichte saß die Frau auf einer Bank und blickte mir furchtsam und scheu entgegen. Die Kinder rundherum, teils bei den Spielgeräten, der Mann irgendwo weiter weg. Ich setzte mich zu ihr, gab ihr die Nusspäckchen und die Kekse an denen sie gleich nestelte und als ich das Geld verborgen in ihre Hand drückte, fing sie bitterlich zu schluchzen an. Da nahm ich sie in den Arm und sprach von besserer Zukunft und dem Heim, das sie sicher finden würden. Sie stammelte unentwegt "thank you, thank you, thank you!" Ich: "no, say it no more, its o.k." Wie hätte ich ihr klar machen können, dass ich ihre Würde wahren wollte, und wie, dass dieses Geben für mich seliger machend war, als sie es sich vorstellen konnte? 
Aber am berührendsten waren die Blicke der Kinder. Sie blickten durchdringend die weinende Mutter an und in ihren Blicken war mehr, als ich es jemals bei Kindern gesehen habe.



Nickname 27.10.2015, 01.57 | (6/5) Kommentare (RSS) | TB | PL

Schwätzchen mit reichen Indern.

Was ist das nur für ein Sommer! Es schüttet schon fast eine ganze Woche und hat nur 14° Bei euch vermutlich auch? Seit einem Monat hatten wir insgesamt nur zwei Tage durchwegs Sonnenschein. Ich heize! Noch nie habe ich im August eingeheizt! Heute Nacht kann es sogar nur 6° haben.

Unlängst, an einem der sonnigen Tage zogen wir abends ins Getümmel nach Pörtschach, den seltenen lauen Abend genießen. Wir spazierten an der Seepromenade und kamen vor das häßlichste aber luxuriöseste Hotel und dem zugehörigen breiten Steg um den Sonnenuntergang zu genießen. Dort saßen drei Touristen reglos auf einer hölzernen Sonnenliege, man erkannte sie sofort als Inder. Ein altes nobles Paar, sie im dunkelgrünen Seidenkleid und an die 70, aber voll geschminkt, er auch ganz nobel. Sie hatten ihren auch nicht mehr ganz jugendlichem Sohn in die Mitte genommen. Der machte sitzend eine Verbeugung zu mir hin und grüßte sehr höflich. Nachdem ich zurück gegrüßt hatte, wies meine Schwester auf den schönen Himmel hin, auch die Inder blickten auf: "beautiful" sagte ich zu ihnen hin, da kamen wir ins Gespräch.

Sie wirkten wie Paschas und kamen aus Dehli.

Ob wir von hier seinen fragte der Alte. Ob hier auch Menschen leben würden. (Doch, es flanierten auch einige Leute rum! Er sah wohl nur Touristen.) Ob es eine Stadt gäbe und wie die hieße. Ob es Industrie gebe. Als ich verneinte, bzw. meinte, nur ganz wenig, fragte er sehr erstaunt, wovon die Menschen hier denn leben würden? Naja, alle möglichen Berufe, "Shops, Teacher...äh..." Mehr Berufe fielen mir auf englisch nicht ein. Währenddessen fotografierte meine Schwester mich heimlich. *g*



Wir amüsierten uns später noch lange über die Frage, ob hier auch Menschen leben würden. Dann wurde uns klar: In Indien schieben sich ja die Menschenmassen und das überall! Die Besiedelung bei uns kam ihm wohl wie nichts vor. :-)

Nickname 15.08.2014, 19.28 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Unlängst, die Sache mit den Haifischen...

Aber das war doch... so gefährlich... ähm...

Himmel, Matsch und Zwirn!! Da begibt man sich extra für seine Leser in gefährlichste Gefilde und dann... dann.. ja, dann kommt Katinka. Diese Person IST MIR ZU SCHLAU!

wut116.gif

Ich hatte mir doch in den Kommentaren als Beute 7x das Wort "Hai" erhofft! Und dann wollte ich "ätsch" sagen, und: "hähä!" Aufzeigen wollte ich, wie frau Menschen manipulieren kann!

Was aber habe ich bekommen? Nur zwei echte Haie! Katinkas Schatten schwebte schon bald drüber - und aus war´s. NÖL! ;o)

Ja, es war alles genau so wie sie im Kommentar schrieb. Alle saßen auf dem Schiff und schmausten frisch gegrillten Fisch. Nur das Kind durfte nicht. Oder wollte nicht.

13rabac_cres_holzschiff_kl.jpg

Das Foto da war vorher. Da in der obersten Etage wird grad gegrillt. Dann ertönte eine Glocke und alles rannte. Man wies uns in die Technik des Entgrätens ein, inklusive des Auftrags, die Gräten im Meer zu entsorgen, die Fische würden die schon verwerten. Ich war da ja ein wenig ungläubig, aber das taten sie tatsächlich! Meine Schwester meinte zwar später, nach dem folgenden Bad im Meer hätten ihre Arme fischig gemuffelt! Aber das kann ja auch andere Ursachen gehabt haben, nüch!

Jedenfalls war das eine tolle Stelle, wo wir da angelegt hatten, ein verlassener winziger Hafen auf Cres. Muss ich doch glatt nochmal zeigen, weil´s halt so schön war! 

13rabac_cres.jpg

Das Schiff da oben war genau das, welches wir eigentlich NIE UND NIMMER buchen wollten! Denn immer am späten Nachmittag schipperte es mit Musikantenstadelmusik an uns vorbei und einmal sah ich sogar Leute  in geschlossenen Reihen dazu schunkeln! Neeein niemals, dachte ich da nur! Deutsch-österreichische volksdümmliche Musik in Kroatien, njet nit mit mir!!! Aber dann war das andere Schiff entgegen der Abmachung gar nicht erst aufgekreuzt und wir standen da wie Pik 7. So kam´s.
Gleich beim Einschiffen entdeckte ich den Akkordeonspieler. Ah so? Livemusik? Na, das geht ja dann doch. Ich sagte gleich zu dem: "Ach bitte, nur kroatische Musik, keine deutsche, keine österreichische...! Er aber entgegnete: "Musik ist universell!"
Okay. Und dann war es soo schön! Ich glaube, der spielte mehr kroatisch... *g*

"Wollen Sie Panorama, oder wollen Sie Delfine!" ertönte plötzlich vom Käpten während der Fahrt aus dem Lautsprecher. Daraufhin hörte man hauptsächlich mich: "DELFINE, BITTE DELFINE!!
Das war immer mein Traum, hach, einmal Delphine sehen!

Und dann, so faszinierend! Als wir schon etwa 200 Meter dran waren, stellte der Käptn den Motor aus und forderte auf, mucksmäuschenstill zu sein. Tatsächlich machte keiner mehr auch nur einen Mucks! Auch das so faszinierend: Wie die Leute alle gebannt reagierten! Nur noch ein Baby weinte. Ansonsten nur plätschern und Stille.
Und dann, genau als die Delfine uns am nächsten waren, so etwa 100 Meter weit, unterbrachen sie ihr sanftes Auf und Ab mit dem sie durchs Wasser pflügten und machten für uns eine kleine Vorführung. Wir sahen eine oder zwei springen und Purzelbäume machen! Extra für uns! Was sie sich dabei wohl dachten? Vielleicht wollten sie uns einfach betrachten.
Ich hatte mir vorgenommen, ja nicht die Kamera vor meine Augen zu halten. Aber.. es war mir nicht gelungen. Da gibt es ein Filmchen. Das aber nur im Fernsehapparat funtz. Hach, leider sind diese Filme nicht hochladbar. Schön blöd!

Nickname 28.09.2013, 23.58 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Was ist denn da geschehen?

Nanu, die Möwen sind ja so unruhig? Seltsam....

13rabac_moewen.jpg



Ich blicke mich um. Dort am Strand, da... da... wo sind denn die alle hin?? Da ist ja kein einziger Mensch?? Nur die Sachen?? Was ist denn da los?! Oder Moment mal! Dort ganz links... in der Höhle.. bewegt sich da nicht was?

13rabac_verlassene_bucht.jpg



Ich zoom mal näher hin!

13rabac_verl_kind.jpg


OOH MEIN GOTT! Da sitzt ja in Kind! Ganz alleine! 

Und drüben, ein Stückchen weiter das Schiff! Da brennt es!!!

13rabac_feuer_fahne.jpg



Mich schaudert! Da, die Fische! Auch deren Anblick erschreckt mich...! Drehen die jetzt etwa durch?  

13rabac_fische_graete.jpg



Und was soll die riesige Gräte da...?? Ich fühl mich wie in der Apokalypse und will schreien! Entsetzt wende ich mich ab, sehe zum Meer raus, ... da, da!!! 

13rabac_flosse.jpg


Das aber lässt mich nun endgültig erstarren!

13rabac_3flossen.jpg

OH MEIN GOTT!!

Die sehen irgendwie so zufrieden aus!

Kann mir jemand DAS erklären? Was ist denn da passiert???

Nickname 21.09.2013, 13.53 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Erlebnisse im See

Ich schwamm weit bis zum abgelegenen Schilf. Dort ist das Wasser wegen des hellen seichten Grundes pastellgrün! Die wellige Wasserspiegelung des Schilfs macht die Schönheit perfekt und falls gerade kein Motorboot aus der Ferne brummt, hört man nur das zarte Rauschen der bewegten Halme, hervorgerufen durch graziöse kleine Wellen.

Aber diesmal war es gar nicht so leise dort! Unsichtbar für das Auge piepste eine Hundertschar frisch geschlüpfter Wasservögel hinter der dichten Wand der Schilfhalme.
Ich schwamm im an der Oberfläche 30° warmen Wasser die lange Schilfhalbinsel entlang und versuchte mit meinen Blicken die großen Halme zu durchdringen.
Da tauchte plötzlich ein Haubentaucher mit seinem Jungen zwischen den Halmen auf. Das Kleine war nicht größer als ein Daumen! Es schwamm neben der Mama und stupfte sie manchmal mit dem Schnabel. Die aber putzte sich nur ungerührt, Haubentaucher nehmen es mit der Federpflege ja stets übergenau. Berührt sah ich zu, wie das Junge immer wieder von hinten auf den Rücken seiner Mutter kletterte und sich unter einem Flügel bequem machte, nur noch das Kirschgroße Köpfchen lugte hervor und das war ein Bild für Götter!
Ich hatte mich sehr ruhig verhalten und durfte recht nahe dabei bleiben. Als dann einmal das minikleine Junge aber versuchte, beim Halsansatz der Mutter aufzusteigen, aber auf halber Höhe stecken blieb und nun ungeschickt und fast hilflos am Bauch halb oben lag und erst nach einiger Zeit wieder runterplumpste, konnte ich mich nicht enthalten "Mei! Hach wie nieedlich" oder so ähnlich rauszuseufzen. Die Mutter hatte mich ja immer im Blick gehabt und auch jetzt, trotz meines Ausrufs, putzte sie sich weiter, gerade so, als es niemand anderen auf der Welt gäbe.

Als ich dann zurückschamm und allmählich wieder unter andere Schwimmer kam, entdeckte ich ein Frauchen mit ihrem Hund. Sie schwammen perfekt nebeneinander her, der Hund hatte ein krummes Stöckchen im Maul, was das ganze noch ulkiger aussehen ließ. Wandte sich die Frau ein wenig nach einer Seite, tat es auch der Hund, er schwamm wirklich immer im hundertprozent gleichen Abstand neben der Frau her. Ich beobachtete und lächelte vergnügt, was die Frau natürlich bemerkt hatte. "Wir könnten beim Synchronschwimmen antreten!" rief sie mir stolz in deutschem Akzent rüber. Hach, ich hatte mir meine Antwort nicht überlegen können, spontan rief ich zurück: "Ja, dann müssten Sie aber auch ein Stöckchen im Mund halten!" Blitzartig verfinsterte sich der Blick der Frau, richtig sauer wendete sie sich ab und der Hund mit ihr.
"Da warst du zu frech!" meinte meine Schwester später. Naja! Meine Reaktion war doch sehr naheliegend und außerdem, Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

Heute dann am Abend wieder am See, aber die Stimmung war ungewöhnlich! Vor den Abendwolken am westlichen Horizont sah man ungewöhnliche braune Schleier Muster in den Himmel ziehen. Ich beobachtete während des Schwimmens, wie sich sogar ein Kondensstreifen unmittelbar nach dem Flugzeug dunkelgrau färbte und auch so blieb, sehr ungewöhnlich vor den helleren Wolken! Bis der Streifen wieder blauen Himmel erreichte und auch schlagartig weiß wurde. Mein Verdacht ging in Richtung Saharasand, ja, da war ich mir fast sicher, hatte ich doch am Vortag im Garten wieder mal eine große Flugheuschrecke aus der Sahara entdeckt. Die schaffen es bei Südströmung mit dem Sand bis zu uns! Und ohje, wenn die ins Wohnzimmer fliegen! Dann sausen sie laut raschelnd so schnell von einer Wand zur anderen, dass es einem nur so graust! Fast eine Handspanne groß und nicht zu fangen! Das ist gar nicht lustig.

Zurück zum See, hach, ich verplaudere mich schon wieder! Plötzlich kam ein großer Sonnenball unter der Wolke hervor, knapp vor dem Untergehen, er leuchtete grell glutrot! Darunter gleich mehrere Bergketten von dunkelgrün bis blau und das Wasser glitzerte rot - grün - grau, "hach seht mal, wie kitschig" riefen einige. Aber in der Natur ist nichts kitschig, nur malen hätte man das nicht dürfen! Und ich keine Kamera dabei!!!!! So eine extrem rote Sonne werde ich nie wieder sehen, das ist sicher! Die seltsame Farbe des riesigen Sonnenballs unter dunkler Wolke hatte nämlich einen speziellen und eher traurigen Grund!
Aber ich hab jetzt genug geschrieben, die Ursache für das Phänomen und auch ein Foto davon findet man im Link da unten, es geschieht durch die immense Trockenheit und Hitze, denn es hat seit einem Monat nur einmal ganz kurz geregnet und alle Wiesen und Felder sind braun als wären wir in Griechenland!! Tja, jetzt brennt es südlich von uns!

Waldbrand im italienischen Pontebba

Nickname 06.08.2013, 02.55 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Begegnung der anderen Art.

Am Wörthersee findet wieder das GTI-Treffen statt, ca. 140.000 Besucher sollen es sein. Sie sind.... ähm..., anders. Oder sagen wir mal so, bei wohl den meisten erlebe ich eine mir fremde Kultur. Die besteht aus Auto röhren lassen, Bier trinken, grölen, Gummi geben, (Vollgas und Bremsen zugleich bis die Reifen stinken) In großen Gruppen überall am Straßenrand sitzen um vorbeifahrenden GTIs zuzuwinken und dabei raue Töne von sich zu geben und eventuell Opelfahrern den Stinkefinger zu zeigen und nebenbei ist es auch ihre Art, ihren Abfall ganz offen einfach auf die nächste Grünfläche werfen. Am meisten aber fahren sie herum.
Na gut, sie sind, zugegeben, halt noch jung, ich denke, das wird später mal schon noch.

Alle Pensionen sind belegt, der Tourismus floriert und darum geht es halt, da muss man doch dankbar sein. Und das meine ich nicht mal ironisch, denn die Tourismusbetriebe brauchen das ja auch wirklich. Trotz solcher allgemeinen Vernunftgedanken stöhnen die Einheimischen, allerdings dezent und zurückhaltend, "ab Sonntag haben wir es ja wieder überstanden."

Nun, ich habe diesen Beitrag unter "Geschichtchen" eingeordnet, na, dann erzähle ich jetzt mal eine von heute.

Ich saß an meiner sehr schmalen Gartenseite, verborgen von wuchernden Hecken und vielen Büschen. Dort, wo wirklich niemand Sicht auf mich hat, kann ich ungekämmt und schludrig angezogen herumlümmeln, vielleicht sogar mit offener Hose. Diesmal war die zwar zu, genauer gesagt, hatte sie nicht mal eine Reißverschluss, aber sie war viel zu große und daher um einiges heruntergerutscht, das Unterhemd blitzte keck hervor. So kauerte ich zeitunglesend vor einem Kaffee, mit wirren ungekämmten und ungewaschenen Haaren. Nicht öffentlichkeitsfähig jedenfalls!
Plötzlich ertönte von irgendwoher ein aufforderndes "Hallo!" Ich blickte mich überrascht um. Da konnte doch niemand sein?

"Hallo, hier!" Da endeckte ich es. Das von dünnen blonden Strähnen umrahmte Gesicht einer Frau um die dreißig, fast neben mir. Es drückte sich unbequem durch die widerborstigen Äste der Fliederbüsche, sehr helle Augen unter lila Blütentrauben. Die dazugehörige Person musste sich durch ordentlich viel Dickicht durchgekämpft haben um so weit zu kommen! Nun rief sie im schönsten steirischen Dialekt, sie sei wegen des GTI-Treffens da und habe von den Nachbarn gehört, ich spiele Cello. Sie spiele hobbymäßig Geige, ob ich denn nicht mit ihr Musik machen wolle? Irische Volksmusik zum Beispiel?

Ich war platt! Natürlich versuchte ich, sie abzuwimmeln. "Als Berufsmusikerin brauch ich auch mal Freizeit von der Sache." "Ob ich viel übe, das sei alles doch so schwer!"

Noch ein Weilchen tönte dieses fremde Leben zwischen den Fliederzweigen hervor, erzählte von sich. Aber dann, ganz unvermutet, schlossen sich die Zweige wieder und es trat die alte Ruhe ein. "Viel Erfolg für die weitere Partnersuche" rief ich noch artig hinterher, aber das Phantom war schon verschwunden. Ich bin dann erst mal Haare waschen gegangen. Man weiß ja nie, was noch kommt! *g*

Nickname 11.05.2013, 01.47 | (5/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Mal eine Nacherzählung des Tages

20 cm Schnee war gefallen, wäre es aber Pulverschnee gewesen, hätten wir wohl die doppelte Höhe gehabt. Diesmal aber war der Schnee patzig und schwer, so sehr, dass er sich auf den Straßen schnell in etwas verwandelte, dass in seiner Konsistenz eher einem gelblichen Gletscher oder sogar mit einiger Phantasie Türkischem Honig glich.

Auch zu Mittag war noch nirgends ein Straßenräumgerät zu sehen. Von den überhängenden Zweigen der Bäume waren dicke weiße Batzen auf die bucklige Fahrspur gefallen und hatten sich sofort in fiese Gletscherhügelchen verwandelt.
Drei Autos vor mir quälte sich ein Fahrschüler im Schrittempo weiter. Hinterher eine Autoschlange bis zum Horizont. Das arme Fahrschülerlein, dachte ich bei mir, diese Fahrstunde wird der wohl nie vergessen!
Auch auf der Autobahn war nicht geräumt worden. Aha, so war das wohl anno dazumal, jetzt beschäftigte ich mich damit, mich hineinfühlen, wie das früher so zuging. Ich sinnierte herum, weil ich fast allein auf der Autobahn fuhr. Später erfuhr ich, dass wegen diversen Autounfällen ein Stück weiter hinten einfach keiner mehr durchgekommen war. Ob die Straßenmeisterei uns mal vorführen wollte, wie es ohne sie zugeht?

Erleichtert erreichte ich meinen Arbeitsplatz. Und dann wütete ich sieben Schulstunden lang. Was ich damit meine? Ich spannte, im geistigen Sinn, alle Sehenen an. Vermutlich auch die Körperlichen, ich berserkerte. Jedenfalls ließ ich keinen noch so kleinen Haltungsfehler meiner Gitarreschüler durchgehen, freundlich aber bestimmt ließ ich kritische Stellen mindestens fünfmal wiederholen, erklärte eilig, warum und machte gleich auch selbst mit. Ich stopfte die Stunden voll mit Lehre und trieb alles weiter, intensiver wie je. Weil nächste Woche Ferien sind und knapp darauf das Schülerkonzert folgt. Da muss man ran, sonst geht sowas schief.

Abends 20 Minuten für das vorbestellte Essen im Stammcafé, ich würgte eilig runter, rülpste heimlich und eilte ins Theater. Die "Komödie im Dunkeln" wurde gegeben. Eigentlich ein Renner, aber das Theater war ungewöhnlich leer. Ob das an den inzwischen eh besseren Straßenverhältnissen oder am Protest der Abonnenten lag, war nicht zu eruieren.

Endlich zu Hause. Einheizen war mir schon fast zuviel. Als das Holz aber dann doch fröhlich knisterte, überfiel mich lähmende Müdigkeit. Da war mir echt nichts anderes mehr möglich als... Spider zu spielen! Fürs Schlafengehen war ich viel zu fertig, da hätte ich ja abschminken, Zähne putzen und - am schlimmsten - ins obere Stockwerk raufkriechen müssen! Also Spider. Das faulenzt so schön.

Ich hatte nicht mit Fräulein Tchutsachinella gerechnet. Die war nämlich sehr ausgeruht.
Das Mobbing begann. Krallen durch die Jeans in die Knie, mein üblicher Schrei: "Autsch, spinnst du??" Trotzdem parierte ich brav, wie ja stets! Ich stand auf, um ihren Wünschen nach weiterem Futter zu entsprechen, sie aber raste unter den Esstisch. Hach! Mir war natürlich sofort klar, was das bedeutete. "Frauchen, spiel mit mir! Spielen wir fangen!" "Nein, lass mich in Ruhe!" Nun, wer Katzen kennt weiß was jetzt kommt. Nämlich, das die so schnell nicht aufgeben! Vollkommen fertig kroch ich halt nach der fünften Krallenattacke unter den Tisch um das Biest, wie immer, eh nicht fangen zu können.
Und Spider ging dann erst um halbdrei in der Nacht auf!!
Ich hab dann sogar noch Zähne geputz! Das war tüchtig, oder?
;-)

Nickname 08.02.2013, 02.34 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Wintergespenster!

Ich stapfte im Park so für mich hin
und sann nach des Lebens Sinn.

Hach, ist das ein schön altmodischer Satz!

Die frisch verschneite Landschaft hatte es mir Tirilli-Guck-in-die-Luft angetan und so linste ich oft mal nach oben.

13januar_19schneebaum.jpg

Gerade hatte ich noch mit anderen Parkbesuchern ein, zwei Worte gewechselt, als ich plötzlich ganz allein war und eine Stille entstand, wie sie nur im Winter möglich ist.

Aber halt! Hatte ich da nicht ein Flüstern vernommen? Ich blickte mich um, ...nichts.
Doch, etwas war da! Ich lauschte.
Es war kein Laut mehr zu hören. Nun aufmerksamer geworden, spürte ich es aber deutlich: ich war nicht alleine!

Ich blickte zu dem Baum hoch unter dem ich jetzt stand.

13januar_baumsamen.jpg

Die Samen wackelten freundlich. Ob sie mir etwa leise zuraunten?

Aber dann fiel mein Blick auf die Parkbank und ich erschrak! Saßen da etwa zwei Eingeschneite??

13januar_parkbank1.jpg

Im zweiten Blick entspannte ich mich, ah, optische Täuschung, Gott sei Dank!
Aber ein bisschen genauer wollte ich doch noch hinsehen, um auch wirklich sicher zu sein. Aber da....!! Zu Tode erschrocken stand ich erstarrt!!

13januar_parkbank2.jpg

Seht ihr es???? Oh mein Gott! Ich zeigs euch mal näher.

13januar_parkbank3.jpg


"AAHHH!" schrie es in meinem Kopf! Ich wollte fliehen, drehte mich schnell um und.... jemand... versperrte mir den Weg!! Bebend starrte ich ihn an...!

Er aber wirkte ganz entspannt. Nach ein paar Schrecksekunden murmelte er plötzlich in gelangweiltem Ton:

13januar_park_schneefigur.jpg

"Können Sie mir bitte den Schilfhalm aus der Nase ziehen?"

Ich hab es nicht getan. Denn: Schicksal ist Schicksal, sowas muss man akzeptieren!

Ach ja, und übrigens: Den Park und den tänzelnden Baum mit den Samen kann man heute auch woanders betrachten: Im heutigen Seelenfarbenkalender. Wenn´s genehm ist. ;-)

Nickname 23.01.2013, 02.02 | (6/4) Kommentare (RSS) | TB | PL

Lebensschule und ... Feuerlöscher!

Die Postwurfsendung der Gemeinde informierte über einen Termin zur Überprüfung der Feuerlöscher direkt bei der örtlichen Feuerwehr.

Wäre eigentlich eigentlich nicht schlecht, so nach 20 Jahren endlich mal, dachte ich. Außerdem würde der Prüfer vermutlich ganz froh sein, wenn wenigstens einer käme....
Gesagt getan.

Und dann staunte ich nicht schlecht, als dort an die 50 Feuerlöscher aufgereiht standen, aber nur wenig Leutchen warteten drum herum. Die roten Dinger hatten alle Namen drauf, mit Filzstifft in großen Lettern geschrieben.
Boah, so pflichtbewusst und korrekt sind die Leute, das hätte ich ja nicht vermutet! Ach ja, fiel mir dann ein, da war doch was bei der Feuerversicherung, irgend ein Passus in die Richtung gab es da doch....

Ich stellte meine beiden Pflichtbesitz-Feuerlöscher brav ganz ans Ende der Schlange und wartete. Oh, das würde aber jetzt dauern...!
Aber so schlimm wurde es nicht, der Retter nahte. Es kam ein schöner Mann daher, ein sehr schöner!! Einer in Feuerwehrkleidung! Zur Hose passendes schwarzes Hemd mit Aufnäher, hochoffiziell das ganze.
Hab ich schon mal erzählt, dass solche Kleidung mich anfacht? Ist ja ganz gegen den Verstand, ich amüsier mich ja selber drüber.... Tja, als ich jünger war, kam bei mir da automatisch ein schüchternes Flirtgehabe durch, bitte, ich konnte da nicht anders!! *g*

Schön und gut, der Adonis erster Sahne drückte mir einen dicken Filzschreiber ins Händchen, um die Feuerlöscher als die meinen auszuweisen. Und er empfahl, in einer Stunde wiederzukommen. Tolles Service!

Aber später musste ich doch noch einige Zeit warten. Machte nichts, war ja Samstag und außerdem konnte ich, gemütlich im Auto sitzend, die Leute beobachten. Sowas kann ja wie Kino sein!

Der Feuerlöscher-Prüfer arbeitete redlich. Plötzlich kam da so ein gedrungener Typ in den 50gern daher und begann sich aufzuregen, weil seine Feuerlöscher noch nicht fertig waren. Dieser Querulant war aber nicht etwa ein geborener Hitzkopf mit schlechten Nerven, wie man vielleicht annehmen und eventuell verzeihen könnte. Hier hatten wir vielmehr ein Kerl im Chef-Modus, sehr autoritär. Er sprach kalt, abgehackt und bestimmt und scherte sich nicht im mindesten um die anderen. Keinen Gedanken verschwendete er daran, dass der Handwerker eh fleißigst arbeitete und eine Anerkennung des Services des freiwilligen Feuerwehrmanns war dem vermutlich sowieso nicht in den Sinn gekommen. Es galt nur dieses Pochen auf seinen Willen, das Befehlen, sich durchsetzen wollend, im Selbstverständnis des Alpha-Menschen blind für alles andere.
Alles rundherum schwieg und beobachtete gespannt die Szene.

Und was tat der Feuerlöscherwart? Herrlich! Er ließ das gar nicht an sich ran! Aber überhaupt nicht! Seine Körpersprache zeigte das deutlichst und das war sicher nicht gespielt! Es prallte nicht mal an ihm ab, das erreichte ihn erst gar nicht! Wenige Blicke, dann arbeitete er einfach weiter, beflissen wie vorher und natürlich an den Feuerlöschern, die gerade an der Reihe waren. Nun blieb dem eisernen Herrenmenschen nichts anderes übrig, als aufzugeben.

Gute Lebensschule! Das muss ich mal nachmachen!  
Aber Leute gibts......

Nickname 12.06.2012, 01.26 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Vom ersten Titanicfilm

Weil schon seit Tagen in den Medien so viel über Titanic berichtet wird dachte ich, stimme ich heute auch mal in den Chor mit ein. Ich habe Informationen, die noch nie veröffentlicht wurden.

Mein Vater war 2. Kameramann bei den Dreharbeiten zum ersten Titanicfilm 1942.
In seinem unfertigen Buch widmet er diesem Thema fünf Seiten.

viktorka_titanic_kameraassistent1942.jpg

Ich lasse ihn hier mal in einem kleinen Auszug draus erzählen:

Bei der "Titanic"-Produktion wurde gerade ein zweiter Kameramann gebraucht, daher wurde ich an das Trickatelier der TOBIS zum Kameramann Kunstmann in Berlin überwiesen.
Die Außenaufnahmen machten wir am Scharmützelsee östlich von Berlin.

viktorka_titanicmodell.jpg
Hier schwimmt das kleine Titanic-Modell im Wasser vor dem größeren Boot.

Wir wollten große Meereswellen haben, drehten mit erhöhter Kamerageschwindigkeit und mit Zeitlupe und mussten warten, bis Wind kam, kleine Wellen hervorrief, die dann durch die hohe Kamerageschwindigkeit im Film wie große Wellen aussahen. Vor diesem Miniaturschiff hatten wir einen Schlauch mit einer Pumpe unter Wasser montiert, der immer Wellen gegen den Bug spritzte, wodurch Bugwellen entstanden. An Deck hatten wir lauter Scheiben mit Puppen drauf, unter Deck waren diese Scheiben mit Transmissionen verbunden und manche waren umgedreht, so dass die einen Scheiben in diese Richtung liefen, die andere in jene. Aus der Ferne sah das aus, als ob die Leute an Deck durcheinander laufen würden.
Leider war im Hintergrund der Wald am See zu sehen, worauf die Pioniere des Heeres beauftragt wurden, mit Nebelwerfern im Hintergrund eine Nebelwand anzulegen.

Dann wurde ein Eisberg gebaut:

viktorkabath_titanic_eisberg.jpg

Aber leider war er nicht im Gleichgewicht gebaut, sodass der schöne Eisberg schnell kenterte - weg war er.

Der Mann, der die Erzählungen meines Vaters notierte, begnügte sich mit den Originalworten und formulierte nicht in gutes Deutsch um. Ich hatte damals unzählige Male korrekturgelesen, er übernahm aber die Vorschläge immer wieder nur teilweise, damit machte er uns regelrecht ferig. Schließlich "verschwand" er nach Überreichung eines guten Batzen Geldes für immer und beendete seine Arbeit nicht. Ein betrügerischer Geschichtelehrer war das, sprachlich war er unfähig. Er hatte sich übrigens ungerufen für diese Sache angeboten! Tja, meinem Vater wäre die Sache sehr wichtig gewesen, ich aber wars zufrieden, immerhin hatte er damit zu tun gehabt, genau das, was dem unglücklichen Witwer half, die Zeit zu überstehen.

Zum Abschluss noch ein Foto, diesmal von der FIN-Film. Ich finde, diese Kamera ist doch zeigenswert!

viktorkabath_kameramann_fin_film400px.jpg

Nickname 16.04.2012, 00.25 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL