Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Geschichtchen

Eine unheimliche Begegnung bekannter Art.

1. Akt

Der frisch pensionierte Orchestermusiker stand in der Tür des Prüfungszimmers und wollte in die Schule aufgenommen werden. Er lächelte sehr sanft und sprach äußerst höflich, fast gräflich muteten seine Gesten an und sein Akzent ließ ahnen, dass er wohl irgendwo im Osten aufgewachsen sein dürfte. Freudig zeigte er sein Instrument, ließ ein paar Töne erklingen und jeder im Raum spürte seine Freude an der Sache. Obwohl er vermutlich einer von diesen schwachen Männern war, die sich durch ihre zarte Sensibilität wenig durchsetzen können, schaffte er es, ganz gegen meine Gepflogenheiten, ein paar Privatstunden herauszuschlagen. Sehr ungern gab ich nach, denn ich empfand mich eigentlich als beschäftigt genug. 

Das war im letzten Frühsommer und wir hatten sogar dann gleich mal eine erste Unterrichtsstunde. Im Sommer fuhr er dann in sein Heimatland und kaufte sich ein noch besseres Instrument.

Und nun war Herbst, wieder Schule, er brachte nach einem Telefonat sein altes Instrument vorbei, es sei zu verkaufen, ob ich jemanden wüsste. Ich müsse herumfragen, meinte ich, das könne etwas dauern. Aber er könne es doch zur Ansicht da lassen? Gesagt, getan. Drei Wochen vergingen und in mir regte sich langsam schlechtes Gewissen, weil ich ihn noch immer nicht angerufen hatte um ihm endlich eine Unterrichtsstunde anzubieten. Ich rief nun also an.

Ein paar Tage später hatten wir dann endlich die zweite Unterrichtsstunde.  Er nervös, die rechte Hand zitterte beim Spiel, es war ihm peinlich als Berufsmusiker so zu wirken, ich aber beschwichtigte unaufgeregt, das würde doch auch ich kennen, es sei doch normal.
Und dann lehrte ich wie gewohnt. Das Instrument sei vielleicht verkauft, berichtete ich außerdem. Er freute sich sichtlich und verabschiedete sich dann, wie dort im Osten üblich, mit zwei sanften Küssen auf beiden Wangen.

2. Akt

Am Anrufbeantworter eine Nachricht.

(Im militärischen Ton, am Ende jedes Satzes moduliert die Stimme auffällig nach unten, wie abgelesen. Wortwörtlich wiedergegeben)

Guten Tag, mein Name ist Mustermann Maria*. Ich rufe Sie an wegen dem Instrument meines Mannes das sie seit ü b e r  e i n e m  M o n a t bei sich haben und wo es widersprüchliche Aussagen ihrerseits gibt. Einmal ist das Instrument verkauft, einmal wieder nicht, kurz und gut, ich hole h e u t e das Instrument in der Schule zwischen 14 und 14:30 ab und Sie sind gut beraten, es auszuhändigen, wenn Sie keinen Ärger haben wollen. Des Weiteren werde ich die letzte offene Stunde b e z a h l e n, denn eine weitere Stunde wird mein Mann bei Ihnen n i c h t absolvieren. Sie können natürlich versuchen, meinen Mann am Handy zu erreichen, wie Sie es ja schon oft getan haben, des öfteren, meinen Mann, den sie liebevoll Karol* nennen, aber ich würde Ihnen d r i n g e n d davon abraten. Also ICH bin heute in Ihrer Schule und ICH nehme das Instrument mit nach Hause, auf Wiederhören!

3. Akt.

Ich beschloss, den Anruf nicht gehört zu haben. Denn ich wollte ihr meine Informiertheit nicht schenken, wollte sie nötigen, noch einmal alles von Angesicht zu Angesicht erklären zu müssen.
Sie stand schon etwa eine Stunde vor der Tür. Ich hatte es bemerkt, wenn die Tür aufging und neue Schüler das Klassenzimmer betraten. aber ich kümmerte mich nicht darum. Plötzlich stand sie da: "Ich hole das Instrument!" meinte sie knapp. "Welches Instrument?" antwortete ich höflich lächelnd. "Ich hatte Sie doch angerufen!!" Schnell griff ich nach meinem Handy. "Nein, am Festnetz!" "Ach so. Kommen Sie doch weiter" säuselte ich höflich, "worum geht es denn?" Sie legte es dar und log, einen Käufer selbst gefunden zu haben. "Gratuliere, fein, ist ja schwer, jemanden zu finden, nicht?" Nun suchte ich in der Zimmerecke hinter dem Standspiegel unter den vielen dort befindlichen Instrumenten, nahm zuerst die falsche, bis dann endlich die richtige ausgepackt war. "Ja, ich erkenne sie, das ist eindeutig die meines Mannes!" sagte sie so streng wie ich es schon von ihr kannte. Ich hob das Instrument liebevoll hoch. "Sehen Sie mal die herrliche Maserung, ist das nicht wunderschön?" meinte ich im freundschaftlichen Ton. Das war ihr entschieden zu viel, sie explodierte regelrecht. "Ich zahle jetzt, und zwar s o f o r t! Ach, das brauchen Sie doch nicht, Ihr Mann meinte, dass er heute eh noch vorbei kommt, ich weiß ja auch gar nicht mehr, was wir ausgemacht hatten. "A b e r ICH weiß es, 20 Euro!" Sie warf den Schein auf den Tisch. "Und meinen Mann sehen sie NIE wieder!!" Ich tat verdattert. "Aber was ist denn los? Ist etwas passiert?" "DAS kann ich vor dem," sie zeigte mit dem Kinn zum sehr verdatterten Schüler, "nicht sagen, hören Sie den Anrufbeantworter ab!" Schnell packte sie das Instrument und war auch schon verschwunden.

Später erzählte mir eine Kollegin von der wohl krankhaften Eifersucht, von der sie auch schon gehört habe. Außerdem hätte die Frau ihr Leben lang unter Komplexen gelitten, weil sie so sehr nach unten geheiratet hätte, Musiker seinen für sie nämlich das letzte..... Sie selbst war übrigens mal Sekretärin im Theater...

Noch habe ich nichts von ihm gehört. Bin ja neugierig, wie das weiter geht, denn der bedauernswerte Kerl hatte von mir noch Noten ausgeborgt.... 

Der ganz normale Wahnsinn?

*Namen geändert

Nickname 22.10.2010, 00.07 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

Kurzgeschichte ;-)

Mama, die nicht meine Mama war, ging mit Papa, der nicht mein Papa war, zur Bank in den Park. Dann setzte sich meine Mama, die aber nicht meine Mama war, mit Papa, der ja nicht mein Papa war, ein bisschen hin.
Dann gingen wir zu dritt nach Hause.

(Das hatte uns Cheffe zu Schulschluss erzählt, als Berliner in Kärntner Dialekt, man kann sich vorstellen, wie wir prusteten...:-D..)

Nickname 10.07.2010, 12.56 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Des Lebens ganze Fülle

"Ah! Ahh!" schallte laut es zu mir hinüber. Und wieder, nun verzweifelter: "Ah, aaaah!"
"Zuckt es?" fragte plötzlich der Andere.
Na!"
"Doch, es hat gezuckt!"

Ich erschrak und eilte hinüber.

"Was ist denn los??" fragte ich aufgeregt.
"Des Rohr da! Des is sowas von eingerostet, i krieg des net ausse!"
"Ja, aber Sie sagten doch gerade, da zuckt was?"
"Ach nix! Des sogt ma holt, wenn sich was grührt hat."
"Wie bitte?"
"Na, beim Rohr halt, wanns locker wird..."installateurclip_umgest.jpg

"Na, des hot net zuckt."
"Doch!"

Und schon waren sie wieder in ihre Arbeit vertieft.

Eine neue Armatur für die Badewanne. Gerade fünf Minuten vorher hatten sie mich geholt um mir das Ameisennest dahinter zu zeigen. Ein ganzer Haufen nasser schokobrauner Körnchen war aus dem geöffneten Loch herausgequollen.
"Ich weiß, das habe ich überall im Haus, wissens, i hab kan Keller."

"Ah so. Und Klo wollns also das beste?"
"Ja, das allerallerbeste" sagte ich, leicht verlegen zwinkernd. "Hab ja schließlich zwanzig Jahre das schlechteste ghabt, net woahr!"
"Mit Haken a?"
"Hmm?"
"Des mit da Rundspülung wos Sie wolln, gabats a mit Haken. Da kennen`S dann die Klobrille mit am Griff obakriagn wenns putzen! Echt praktisch! Kost aber so etwa vierzig Euro mehr." 
"Na guat, also mit Haken, man gönnt sich ja sonst nix."

Die Einweihung hat inzwischen schon stattgefunden. Passt unter mich - bin zufrieden. (Falls jemand das jetzt etwa wissen wollte... :-D ...)

Nickname 30.05.2010, 00.34 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ich Huhn!!

Was ich hier nicht verraten hatte ist, dass ich meine Geburtstage hasse. Schon Wochen vorher fange ich mit Trauer an daran zu denken, dass ich schon wieder ein Jahr älter werde. Schon seit Jahren wende ich daher einen Selbsthilfetrick an: Ich stelle mir einen Monat vorher vor, schon ein Jahr älter zu sein und das so gut, dass ich es dann auch bin! *g* Wenn dann der blöde Tag da ist, halte ich die Gratulationen nur schwer aus. "Danke, aber..." denke ich dann heimlich und tu nur so, als würde ich die Glückwünsche freudig entgegennehmen. Wofür auch? Ha, und dann: Gott sei Dank, vorbei, ein Jahr Ruhe vor dem Desaster....
So, das war jetzt die Vorrede. :-)

Und jetzt, warum ich ein Huhn bin.

huhn1.jpg
Frau Germana erzählte mir vom Geburtstagsfest einer meiner weiteren Freundinnen, das war vorgestern. Irgendwann hätte sie ihr Lieblingshuhn Greti auf den Schoß genommen und in höchsten Tönen gesungen: "Tuu singen, Gretii, goo goo!" Und Greti sang tatsächlich ganz richtig nach: "goo gooo" Dann flötete die Freundin 3 Töne nach oben: "Schön singen Gretiii, goo goo gooo" Und Greti folgte, die Töne stimmten sogar annähernd! Ja wirklich! Zufall oder nicht, egal!

Wir saßen in unserem Stammbeisl heute Abend und sprachen dann über das Alter jener Freundin. Sie sei xx (Geheimnis!!! *gg*) "Stimmt nicht, sagte ich, sie ist doch ein Jahr älter als ich, xx bin doch ich! Eben! Dacht ichs mir doch, du bist xx und nicht xx wie du behauptetest, also ein Jahr jünger und ich wunderte mich schon, dass du meintest xx zu sein, also zwei Jahre älter als ich!" "Nein, bin ich nicht! so ein Quatsch, ich bin schon  xx und leide schon seit einem Monat unter dieser Alterstragödie!!!" Die Kellnerin war inzwischen dazu gekommen, wir waren ja immer lauter geworden und es spitzten wohl inzwischen schon alle die Ohren.
"Bin ich nicht! "welches Geburtsjahr? Aha, sind Sie doch!" Siehst, du, bist du!" "Sie zählen ja auf chinesisch, die haben ja bekanntlich bei 0 ihren ersten Geburtstag!" "Man muss doch, wenn man schon Burzeltag hatte, ein Jahr dazu tun!" "Muss man nicht!" "Doch!" "Nein!" "Nicht? Hmm. Am liebsten würde ich jene Freundin anrufen und fragen wie alt sie ist... aber besser nicht, ich trau mich nicht, äh..." Dann rufe ich sie an!" meinte Frau Germana. Eh ich widersprechen konnte, hatte schon das Handy am Ohr.

Tja, ähm. Ich bin ein Jahr jünger als ich dachte... lautlachend_durchs.gif

Das Greti-Frauchen war gerade im Stall als sie angerufen wurde und als ich ihr jetzt erzählte, wie Frau Germana mir eben von den Gesangstalenten dieses Huhns erzählt hatte, rief sie mit hohen Glockentönen sofort: "Gretii, komm her" Und schon sang sie im hellen Mezzo: "Tuu schön singen, goo goo goo" Aber Greti schwieg. "Tu singen, goo goo. Geht grad nicht, sie ist abgelenkt, pickt sich gerade eine Spinne."
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Die Freundin gab lange nicht auf. "Tu singen Gerti, für Tirilli, gooo gooo goo!" ..... "Komm Greti, da ist Tirilli, goo goo, tu siiingeen, goo goooo!" .... "Jetzt hat sie, aber nur ein bisschen, hast sie gehört?" "Nein." (Das war ein sehr verlachtes Nein und im Lokal war es mäuschenstill geworden) "Siing für Tirilliii, schau da ist Tirilliii, sing gooo gooo...." "siiihiiingeeen, goo goo!"

Aber Greti sang nicht für mich. Vermutlich singt sie halt nur für Menschen und nicht für uns Hühner.

Nickname 05.05.2010, 01.08 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ungleiche Vogelverwandtschaft

Grüß Gott Frau Dohle, heut wieder am Stammkabel gehockt und wild durcheinander gekrächzt?

Tag Herr Rabe. So spricht nur, wer mit Gesellschaft nichts anfangen kann. Außerdem hatte ich auch mal geschwiegen!

Nun, das muss dann wohl einen nahrhaften Grund gehabt haben.

Mitnichten Herr Rabe. Ich kjake ja oft auch beim Fressen. An unserem Pfosten saß fast neben mir eine weltberühmte Malerin, (*) da musste ich zwischendurch mal rüberäugen und ohrlochspitzen. Stellen Sie sich mal vor, die sieht 20 Jahre jünger aus als sie in Wahrheit ist und hat auch noch ganz ganz ordentliche Federn! Und dann, nur wenige Meter weiter saß jene bekannte Dramaturgin, aber dorthin konnte ich leider nicht losen, die andern krächzten so laut rum, sag ich Ihnen! Hochdohlisch taten sie, wie immer, wenn sie übers Schnabelmaß genippt haben.

Frau Dohle, eure rassisch begründete Unart, im Pulk aufzutreten, verhindert doch jedwede Beobachtungsgabe, da sind wir, die aufmerksamen Solisten naturgemäß begabter, Sie müssen das jetzt einfach mal zugeben.

Herr Rabe, aber wie steht es mit Ihrer Sozialkompetenz?

Ach was, wer zu sozial ist, sogar manchmal was hergibt - unsereins wundert sich da ja nur noch! - , sprich, unnütz Ressourcen verschleudert, ist nicht geeignet, sich dem wahren Lebenssinn zu stellen, der da ist: Komme was wolle, ich kriege das. Das macht uns klug! Jawohl klug! Sie aber bleiben an der Oberfläche, können nicht mal Gedankenlesen! Wir aber schon. Und dafür sind wir neuerdings berühmt!

Na, mit dieser Berühmtheit können Sie sich aber auch kein Glück kaufen, so hat halt jeder seins. Auf Wiederflattern, für heute hab´ ich erstmal wirklich rabengenug!

Dohlen: "Raben mit Aufmerksamkeitsdefizit" 

Erfindungsreiche Krähen verblüffen Forscher 

Vogelarten entwickelten jeweils eigene Intelligenz 

Raben können für die Zukunft planen

You Tube:
Heftiger Kampf, Turmfalke gegen Dohle (Dieselbe Szene mal von innen und mal von außen gefilmt)

(*) Teils heute Erlebtes mit eingeflochten :-)

Nickname 10.04.2010, 02.56 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Das lieeebe Auto

Für mich war das heute ein ergiebiger Tag. Er hatte sozusagen Sinn! Nämlich den, dass ich ca. 2 Sünden abgebaut bekommen habe. Bleiben nicht mehr viele, hähä. Oder, ich darf 2 begehen, gell. (Bitte, an wem darf ich mich versündigen?)
grinsen.gif
Die Geschichte ist folgende.

1. Akt: (Vor ca. 14 Tagen)
Tirilli: "Könnten Sie mir bitte die defekte Scheinwerferbirne austauschen?"
Tankwart:  "Kloar, moch i. Aha, a Opel, na typisch."
Tirilli: "Ich bin aber sehr zufrieden mit dem Auto. In 10 Jahren keine Panne, nur der übliche Verschleiß."
Tankwart: "Na, dann hams aber Glück g´habt, dann tät i des Auto ausfahren, wenn dos so ans is."

2. Akt: (2 Tage später)
Tirilli beschließt, das Auto noch zu behalten,  geht zu Bank und lässt da eine Summe für 2 Jahre sperren, wegen der höheren Zinsen.

3. Akt: (Wieder 2 Tage später, am Freitag)
Selbige Tirillü fährt ihr Autito zur Werkstätte, drüben in der Hauptstadt, ganz am anderen Ende, weit weg. Großes Service ist fällig, der Freitag wird etwas unbequem.
Am Abend dann: "Wir sind net fertig worden, da ist so viel hin!"
"Was wird es kosten?" "No, ....so circa 3000." "Ohh...!" "Fahrn`S daweil vursichtig, sunst Getriebeschaden!"

$. äh, 4. Akt: (gestern)
Als ich morgens das Ding auf Rädern in der Wekstätte abgab, nieselte es nur ganz wenig. Der Bus in die Stadt war grad abgefahren, also beschloss ich, schon mal ein Stück zu Fuß zu gehen. Irgendwann konnte ich nicht mehr aufhören zu gehen, man muss sich doch auch mal bewgen, nicht? Auf halber Strecke begann es dann zu schütten. Nach etwa 3 Kilometern war ich genug durchweicht um eine rosa Haut zu bekommen. Aber es half nichts, außerdem musste ich noch 2 dringende Besorgungen machen.
Am Abend waren Wollmantel und Haare immer noch nass, als ich mit dem Bus wieder Richtung Werkstätte gondelte.
"Mir simma net fertig wordn, da hot wos gsteckt. Aber mir habn grad eben extra für Sie den Motor wieder zammbaut, i waß jo, dass Sie den Wogn dringend brauchn!" "Kann was passieren? Ich meine, kann diese Getriebekette reißen?" "Jo, schon. Aber so wie Sie ausschaugn, gnä Frau, sans eh net der Typ füa Kavalierstarts, des werd scho holtn." "Da täuschen Sie sich aber in mir! Außerdem, auf meine Strecke ist eine Stelle, wo man nur mit Bleifuß in der grünen Welle bleibt!" "Da werns aber die Wochn bessa auf die grüne Welle vazichtn, warat echt bessa..." "Okey, mach ich." :-(

Bei der Heimfahrt leuchtet dann das Warnlämpchen für den Motor, ich schaffte es aber doch noch, heimzuschleichen. ÖRKS!

Nickname 27.02.2010, 22.47 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Besuch der Sternsinger

Die Heiligen drei Könige waren dieses Jahr erstmals vier ausgewachsene Männer vom örtlichen "G´sangsverein".
Schön verkleidet, die Gesichter geschminkt, wanderten ihre Äuglein während des Singens unruhig zu mir und wieder weg, und dann, auweia, gemeinschaftlich zu meinem Hosengürtel hinunter.

Ich hatte den nämlich offen vergessen als ich durch das Läuten so plötzlich aus dem wohligen Dösen auf der Couch gerissen worden war. Schnell zurrte ich ihn zu, meinen Blick nicht von den Männern lassend und verschmitzt sah ich ihnen direkt in ihre Augen, um sie möglichst von meinem Toilettfehler ablenken. Sie blieben ganz ernst bei der Sache. Brauch ist schließlich etwas ziemlich Erhabenes, da kann man doch nicht privat sein.

So standen wir uns also eine Zeit lang gegenüber, festgebannt vom alten Ritual. Ich als Empfangende ihnen ausgeliefert und sie ihre Stimmen doch etwas peinlich berührt hergebend, weil sie ja wussten, dass ich genauer hinhören kann als andere.

Als sie mit den Liedern endlich geendet hatten und ich ob der Kälte schon ganz vergletschert dastand, kam die Aufforderung zu Spenden. Ich holte meine Geldtasche, aber da war nichts drin, gar nichts, gähnende Leere! Allgemeines Resignieren?

Nein, einer der Sänger war mein Gott sei Dank mein Nachbar und der borgte gerne her.

Nickname 06.01.2010, 13.30 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ich arme Sau ;o)

Über den Fernsehfilm legte sich plötzlich ein gelber Text:
"Ab 17. November steht das bisherige analoge Signal nicht mehr zur Verfügung. Unsere Programme sind ab diesem Zeitpunkt nur noch mit einer DVB-T Box oder einen Fernseher mit integriertem DVB-T zu empfangen."

Zwangsbeglückung, pah!

Da mein kleiner Fernseher sicher schon an die 18 Jahre auf dem Buckel hat, beschloss ich, ihm nicht mehr diese blöde Box angedeihen zu lassen, auch, weil die dann eh wieder nur im Weg steht und Staub ansammelt.
Blöd aber wahr, es musste ein neuer Fernseher her. Aber welchen nehmen?

Am nächsten Tag diese Postwurfsendung, Jubiläum, sensationell billiges Angebot!
Ich fragte Herrn Von Ferdl ob das was ist, der weiß doch immer alles.

Der meinte nur salopp: "Schau, dass'd den Fernseher noch kriegst, sonst ist er weg."
(Ich hätte da ein Ausrufezeichen gesetzt, aber das tut der ja nie!)

"Na gut, vielleicht heut scho. Weiß net genau. Weil, manchmal hust i a Stund net, dann wieder krieg i an penetranten Anfall von gemeinstem Kitzelhusten. Und im Gschäft tätns mi dann achtkantig auße schmeißn, so viel Angst wie die alle vor
Ansteckung haben..." so schrieb ich fehlerfrei zurück.

Im Geschäft empfing mich ein süßer pausbäckiger Jüngling. Plasma oder LCD? Ich ließ mich beraten, alles sprach für Plasma.

Tirilli: "Aber wofür gibts denn dann überhaupt LCD?"
Süßer Jüngling: "Das ist mehr für uns Junge, weil wir damit Spiele machen können!"
Tirilli, pikiert: "Haben Sie eine Ahnung! Wir Alten spielen auch! Außerdem computern wir! Und bloggen, alles das wir auch!"
Der schöne Herr Pausbacke grinste sanft...
Die Wahl fiel trotzdem auf Plasma: 599 Euro, um 101 weniger, als Von Ferdl für den gleichen Narrenkasten bezahlt hatte! Das geht doch, nicht? Hehe, schon deswegen...

Süßer Jüngling: "Sie wollen also eine Wandbefestigung dazu, bitte setzen Sie sich doch."
Tirilli: "Ach, danke nein."
Süßer Jüngling: "Die kostet dann 299 Euro"
Ich setzte mich.
Tirilli: "Puh! .....aber na gut, kauft man ja nur einmal..."
Süßer Jüngling: "So, das wäre das. Und nun die Sat-Schüssel."
Tirilli: "Waas? Aber ich habe doch schon eine!"
Süßer Jüngling, schon wieder milde lächelnd: "Nun aber brauchen Sie eine digitale, da kommen Sie nicht drum rum, sonst ist der Fernseher für nichts! Kostet eh nur 68 Euro!"
Tirilli seufzt geknickt.
Süßer Jüngling: "Äh..., ...da .... wäre.. dann noch die Sache mit dem digitalen Reciver. Kostet....(Pause).... 249 Euro...."
Tirilli  kann gerade noch "Ich arme Sau!" rufen und bekommt dann Hustenkrampf. Nun aber kann sie nicht mehr aufhören zu husten, bekommt das Kitzeln im Hals nicht weg, auch wenn sie noch so durch das ganze riesige Geschäft bellt und röhrt! 'Oh Gott, gleich übergebe ich mich' kann sie nur noch denken, "ahain huuust Glas ähüüüsrfztbell  Wahhhasser bitte!" und die Tränen befördern ihre Augenschminke eineinhalb Zentimeter tiefer.

Alle tun so, als wenn sie es nicht bemerken würden, der schöne rotpausbäckige Jüngling eilt eilig um Wasser.

Irgendwann, kurz nach Geschäftsschluss hatten wir dann auch noch die 70 Euro für Techniker und Montage ausgemacht.

1325,99 Euro, weil die vom ORF meinen, jeder muss nun digital gaffen, die Affen!!

Nickname 14.11.2009, 22.07 | (5/5) Kommentare (RSS) | TB | PL

Eine wahre Begebenheit

Ein allerschönster Sonnenuntergang am See, zwischen Wolken die leuchtende... äh...Sonne.... (blöd, "Sonne" gleich zweimal, ...hmm... ist euch schon mal aufgefallen, dass es für Sonne kein Synonym gibt?)
Tjaja...
Wo war ich stehen geblieben? ...Ach ja, golden glänzend das Wasser und davor vier Boote, kunstvoll hingegossen in wunderbarer Harmonie! Eine Schwanenmutter segelt mit ihren vier pubertären Kinderchens, .. ich meine schwimmt... na jedenfalls sieht es wie schweben aus, ach ja, sie gleitet! Die fünf rauschen nun also edel durch die Idylle und des Menschen Augen blinken helle, oder so.

Nun sind sie also vorbei. Plötzlich ein impertinentes Rauschen von rechts. Ach nein, links war´s! (Wir Frauen mit diesem Links und Rechts, ach Gott, sowas ist doch eigentlich wurscht...?) Naja.
Unsere Blicke wechseln hinüber zu einem seltsam knapp über den güldenen Wellen flatternden Schwanenmann, die Flossen noch eingetunkt, mit krumm nach vorne verdrehten schlohweißen Flügeln (no na) naht er in Windeseile und ich denke, der spinnt ja, so nervös wie der tut! Ein Psycherl! Oder hat der etwa gekifft? Dann dreht er bei den sich protestlerisch kräuselnden Uferwellchen angekommen nach kurzem Zögern nochmal wild auf, fast wie ein Motorboot, schrammt knapp an der Ufermauer entlang und sieht dabei aus wie ein Schneemann der zu schnell gebremst hat. Spinnt der? Gibt es etwa die Hysterie auch bei den Schwänen??

Und das alles während des allerromantischsten Sonnenuntergangs!

Nun gut, unser Verstand ist natürlich ob all dieser Umstände leicht schwummrig und so entdecken wir erst spät das fliehende noch jugendlich grau befederte Schwanenmädchen. Frau Germana schreit spontan: "Oh Gott, ein Pädophiler!" (Wirklich, ich schwöre!)

Wie um es uns zu beweisen sausen die zwei im weiten Bogen auf uns zu, die Jungfer gar panisch der Sonne entgegen (entgegen, nicht zu, gell!) und schon hat er sie gepackt! Brutal mit dem Schnabel an einigen gräuliche Rückenfedern angedockt hat der.. ach nö, angedockt dann später, festgebissen hat der sich! Dann aber! Angedockt! In aller Öffentlichkeit! Raus rein raus rein  - und ein Geflattere! Der Schamlose! Die beiden anderen Anwesenden blicken schamvoll weg. Die spinnen ja sowieso, diese deutschen Touristen! (Nachgewiesenermaßen) Sich so etwas entgehen zu lassen!trine_blubb2.jpg

UND ICH KEINE KAMERA DABEI!!! *heul* !!!!!!!!!!!!!!!! *

* Frau Germana war froh dass ich keine hatte, ich schwöre!

Nickname 20.09.2009, 00.06 | (6/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Mit einem Mörder an einem Tisch.

Bei mir wird wieder gezimmert und renoviert. Sechs kleine Baustellen.
Der da zimmert ist sehr alternativ und außerdem bis in die letzte Faser Buddhist.

Er erzählte mir aufgewühlt von einer Begegnung.

Am letzten Wochenende schlenderte er mit der für ihn typischen harmonischen Entspanntheit durch unsere zwar etwas provinzielle, aber doch auch heitere und schöne Landeshauptstadt. Er hatte sein langes Haar zusammengebunden und Lotusblüten hinter die Ohren gesteckt, nun gab er sich beobachtend dem hin, was ihm so alles begegnete. Da sprach ihn so ein Typ an.

"Was bist denn du für einer!?"

Ich kann mir vorstellen, wie mein Bekannter geantwortet haben dürfte. Heiter, ehrlich und offen deklarierte er sich vermutlich einfach nur als Mensch und als einer der weiß, dass er schon tausende Mal wiedergeboren worden war.

Sie kamen ins Gespräch und setzten sich bald in ein Lokal.

Der andere verkörperte das extremste Gegenteil, das man sich überhaupt nur denken kann. Ein Söldner und in dieser Eigenschaft präsentierte er sich emotionslos bis stolz als Reihennmörder! Er habe ein Jahr Heimaturlaub, die letzten Jahre sei er im Irak gewesen und habe zeitweise täglich Menschen jeden Geschlechts und Alters erschossen und Frauen vergewaltigt. Was auch immer im Dienst so angefallen sei, er hätte es ohne mit der Wimper zu zucken getan. Es wies daraufhin, dass auch heute im Irak täglich bis zu 300 Menschen gewaltsam umkämen und kein Hahn krähe danach, er auch nicht. Er trank immer mehr, zeigte auf die Passanten und meinte aggressiv, auch denen könnte er ohne weiteres die Nase abschneiden, oder die Kehle aufschlitzen, was auch immer, diese Menschen seien ihm eh zuwider und fremder denn je, auch wenn er hier geboren worden sei.
Er hätte schon als Kind viel erlebt, sei miserabel behandelt worden, missbraucht vom Vater, geschlagen, verachtet, dann aber sei er als Söldner in die Welt gezogen und wo immer man ihn und sein mörderisches Handwerk gebraucht hätte, wäre er in eine Zeit lang geblieben. Er hätte Geld wie Heu, 8000 Euro Monatslohn im Irak! Zwischen den Worten klang aber heraus, dass ihm auch das nicht viel  bedeute.

Meinem Bekannten wurde unheimlicher und unheimlicher je mehr sein Gegenüber getrunken hatte. Die kalte Ausstrahlung des Söldners ließ ihn frösteln, spürbar waren ihm die nur schlecht verborgene Aggression dieses Mannes und so nützte er bald eine Möglichkeit, zu gehen.
Natürlich hatte er einiges von seiner Lebensphilosophie rüberzubringen versucht:  "Ist dir klar, dass du für das alles irgendwann einmal wirst bezahlen müssen?"

Man stelle sich diese Szene mal vor, einerseits ein sanfter in sich ruhender Mensch, der stets sein Karma behütet und der auch schon in der Kindheit jeden Regenwurm vom nassen Bürgersteig liebevoll zu Erde zurückzutragen pflegte. Der zufällig gerade von einer ihn erfüllenden buddhistischen Zeremonie gekommen war, und andererseits diese finstere Gestalt, diese Tötungsmaschine, aber legal und frei im Land. Beide an einem Tisch, in spannungsgeladenem Gespräch miteinander verstrickt.

Ich spielte für mich, nachdem ich dieser emotionsgeladenen Erzählung gelauscht hatte, in Gedanken eine Szene durch. Was wäre wohl passiert, wenn die buddhistische Feierstunde erst nach der Begegnung stattgefunden hätte und mein Bekannter den Söldner etwa dazu mitgenommen hätte?

Vielleicht wäre der innerlich implodiert. Oder real explodiert. Ich nehme an, auf keinen Fall wäre gar nichts passiert. Ich meine dies auf das Innenleben des Söldners bezogen. Jedoch denke ich nicht, dass die Buddhistengemeinschaft mit ihren Gebeten, Ritualen und Speisengaben die Lebenseinstellung des so kaputten Kerls irgendwie hätten verändern können. Dazu hat sich sein eklatantes menschliches Defizit wohl schon zu sehr in ihm manifestiert.

Aber wenn man nicht an Zufälle glaubt, hat vielleicht dieses beschriebene Treffen auch so irgend einen Sinn gehabt. Doch wer kann das wissen.

Nickname 10.06.2009, 00.57 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL