Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Geschichtchen

In der Ambulanz 2

Nachem der Ton der ärztlichen Stimmgabel beim zweiten Versuch richtig als C erkannt wurde, bekam die Konversation eine gewisse Lockerheit.

Doktor: Sie kommen dann morgen um halbacht zum Gehörtest.
Tirilli: Sie meinen aber jetzt nicht wirklich, was Sie da sagen.
Doktor: Hm? Was?
Tirilli: Na das mit diesem Termin, schon um halbacht.
Doktor: Doch doch, denn wenn Sie später kommen, müssen Sie damit rechnen, so lange warten zu müssen wie heute! Halbacht ist doch wunderbar?
Tirilli: Herr Doktor, ich beordere Sie ja auch nicht morgens um halbfünf in die Musikschule. Genau, so ist halbacht für mich, wie halbfünf für andere! Schließlich gehe ich meistens erst um halbdrei schlafen.

Der Doktor und die anwesende Schwester sehen sich sichtlich erschüttert an.

Doktor: Schwester, schreiben Sie ihr einen Termin. Dann braucht Fr. Tirilli vielleicht nicht so lange zu warten. Um halbelf. 

Die Schwester probiert am PC herum. Überall hängen Zettel an der Wand, auf denen der Patient gebeten wird, die durch die neue Datenverarbeitung entstehenden Verzögerungen zu entschuldigen. Es gelingt ihr nicht, den Termin in die Registerkarte einzutragen.

Doktor: Na wenn Sie das nicht schaffen, Schwester, ich kann das erst recht nicht, muss ich auch nicht können!! Frau Tirilli, kommen Sie morgen einfach irgendwann und sagen Sie, Sie hätten jetzt einen Termin, die Schwester habe den nicht eintragen können, sagen Sie ruhig, der Doktor auch nicht, dann kommen Sie sicher gleich dran!

*lol*

Nickname 23.01.2007, 00.15 | (6/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

In der Ambulanz 1

Etwa 18-jähriger Grundwehrdiener im Wartesaal, das Handy am Ohr.

"Ha?? Was?
Ja eh. Wie? ....Äh....Hm?
Der Hörschutz war verrutscht. Was?
Knalltrauma, ja. Und dieses Tinnitus da. Ha? ... Vielleicht nicht heilbar. Infusionen.
Was? Schatzal, in die Kaserne bringen s´ mich, vielleicht hilft nichts, deshalb Infusionen dort. .... Hm?
Wenn mir was passiert, kannst du siebenhundert haben!! Kannst du sofort haben, siebenhundert, kein Problem! Kannst dir in eine Bananenschachtel stecken und damit machen was du willst, mir egal!
Ha? O.k. Schatz, ja mach ich, pfiat di!

Papa? bist du´s Papa? Was? Ich hab hier keine gute Verb... was sagst? Knalltrauma, vermutlich keine Besserung. Infusionen, Kaserne. Hm? Ja genau.

Versicherung, ja!! Das ist ja das tolle dran, dass ich versichert bin!"

Legt mit fröhlich zufriedener Mimik auf.

Nickname 23.01.2007, 00.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Halloween

Es läutete Sturm.
Huch, so spät noch jemand? Ich öffnete vorsichtig ein Seitenfenster. Draußen standen fünf pubertierende Burschen, sie waren unverkleidet, sahen aber aber auch so zum Fürchten aus.
"Süßes oder Saures" riefen sie krächzendend durcheinander und quetschten sich dabei an den Zaun vor der Tür. Einer rief gar "Süßes und Saures" aber die Süßigkeiten, die sie unwissentlich anboten, hatten sie gar nicht dabei.
Etwas ungern öffnete ich die Haustür und gab mich forsch:
"Ja hallo, das ist doch bei uns überhaupt nicht Brauch? Was muss ich denn jetzt überhaupt auf diesen Spruch antworten?"
Ein Bursche spontan: "Bitte!"
Allgemeine Stille....
Ich musste heimlich grinsen.
Plötzlich riefen alle durcheinander: "Geld gibt man, ein Zehner ist das mindeste!" "A paar Scheinchen!" "Geld, Geld!"
Ich ließ mich nicht einschüchtern:
"Gleich einen ganzen Schein? Und da kommt ihr ausgerechnet zu mir! Schaut euch mal um, sehe ich etwa reich aus?"
"Des is Wurscht, man gibt Geld!" Geld, wenigstens an Fünfer!" "Jooo, Geld, Scheinchen!"
Fünf glänzende Augenpaare starrten mich gierig an und drückten dabei beinahe den Zaun ein.
"Ist euch eigentlich klar, dass ihr jetzt gerade nichts anderes als Bettler seid?"
"Hö, das ist gemein!" "Fies!" Einige und taten beleidigt.
"Ich glaub, ich habe gerade kein Kleingeld, leider!"
"Mocht nix, an Schein!" "An Zehner!" "Mindestens an Zehner!" "Genau, an Zehner!!"
"Ma, ihr nervts! .....Na gut, ich schau halt mal."
Ungerührt kramte ich in der Brieftasche und beförderte endlich 4 Euro und 20 Cent heraus. Einer Münze fiel bei der Übergabe auf meiner Seite des Zauns auf die Erde.
"Ane is obe g´folln, doo!!!" rief ein Jünling aufgeregt und forderte mich mit dem Zeigefinger auf, sie aufzuheben. Das Wort "Bitte" war auch in dieser Situation noch nicht gefallen, das lähmte mich beim Bücken irgendwie. Außerdem war es zu dunkel, die Münze sofort zu finden.
"Das passt schon, die wächst jetzt da." frotzelte ich.
Allgemeine Verdatterung, ihre Augen blickten erstaunt nach unten, als würden sie für meine Behauptung eine Bestätigung suchen.
"Tja, Gier lähmt das Denken, gell Burschis!" Aber das dachte ich mir nur.
Als sie die Münze dann doch bekamen, hob eine aufgeregte Debatte an, wie man jetzt 4, 20 Euro durch fünf zu teilen hat. "Jeder kriegt gleich viel!" beschwor einer mit erhobenem Zeigefinger und alle zappelten aufgeregt.
Das rührte mich nun doch, ich nestelte noch einen Euro heraus und forderte dafür die 20 Cent zurück. Willfährig suchten sie nun doch tatsächlich die kleine Münze und ich amüsierte mich heimlich über diese Harmlosigkeit unter rauher Schale.
"Ach passt schon" zwinkerte ich den Burschen mit dem Kleingeld an. Der blickte erstaunt und ich sah Melancholie in seinem Blick.
Als der Rest der Bande schon davon polterte, blieb einer noch kurz am Zaun stehen, hob den Daumen und sagte noch schnell, bevor er den anderen nachlief, anerkennend:
"Ey, fünf Euro, meine Hochachtung!"

Hoffentlich bleinben sie so harmlos, aber sicher bin ich mir da leider gar nicht....

Nickname 01.11.2006, 13.07 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

An der Supermarktkassa

Drei Minuten vor Ladenschluss, der sinnigerweise für 19.31 angesetzt ist. Die letzten Kunden werden höflich zur Kassa gerufen. Ich stehe nun in der Warteschlange zwischen lauter erschöpften Menschen und überlege, was ich wohl noch vergessen haben könnte. Endlich kann ich die Ware auf das Laufband legen, ein paar Handgriffe und ich habe wieder Zeit, die Menschen um mich herum zu beobachten.
Es geht nur langsam weiter. Vor mir ein Ehepaar, das anscheinend unendlich viel Zeit hat. Die Frau mit den schicken Reiterstiefeln beobachtet lässig ihren unansehlichen und um einiges älteren Mann, während der jedes der gekauften Produkte beim Einpacken auswendig zu lernen scheint. Nun beginnt er endlich, nach seiner Brieftasche zu suchen. Er findet sie auch, oh Wunder. Nun nestelt er teilnahmslos in ihr herum, da scheinen unendlich viele Fächer zu sein. Endlich beginnt er, Scheine herauszuziehen. Allgemeines Aufatmen, nur, einige Minuten später steckt er sie wieder zurück um andere herauszunehmen. Kleingeld hat er auch viel, eigentlich zu viel, denn jedes wird nun sorgsam umgedreht. Die Frau hat inzwischen an ihren Haaren ein wenig herumgezupft und ruht nun wieder ganz in sich.
Sorgenvoll betrachte ich mein auftauendes Tiefkühlgemüse und schon fängt eines meiner Augenlieder heimtückisch an zu zucken. Hinter mir höre ich Standbeine wechseln, ansonsten fast unheimliche Stille...
 Endlich, das standhafte Paar zieht ab! Ein Chor von nur halb unterdrückten Seufzern wird plötzlich hörbar, ich beeile mich höflich.
"Einige Leute haben viel Zeit, was?" frage ich die mir seit Jahren bekannte kleinwüchsige Kassiererin. 
"Die machen das absichtlich, jedes Mal!" antwortet sie resigniert.
"Kommen die den oft?"
"Jeden Tag sogar! Und jedesmal...."
"Die sogenannten feinen Leute, was?"
"Pah, dabei hat die Frau früher sogar bei uns gearbeitet!"

supermkassa.jpg

Seltsame Freude, die Leute absichtlich warten zu lassen.....

Nickname 24.10.2006, 00.29 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Eine Begegnung im Zug

Der etwas klein geratene Teenager hatte seinen um so größeren Rucksack auf dem einzigen freien Platz verstaut. Gedankenverloren waren die 5 Passagiere nach langer Fahrt schon tiefer in ihre Sitze gerutscht, als plötzlich die Abteiltür mit einem Knall aufflog. Wie von Geisterhand stand da einer im Gegenlicht und starrte mit stechenden Augen in die Runde. Die Nickelbrille schien seltsam zu blitzen, als er einige Sekunden reglos alle Anwesenden von oben herab musterte und seine sich kräuselnden schmalen Lippen verrieten Bitternis und Stolz. Sein blasses Gesicht wurde von wirrem, schon ewig nicht mehr gewaschenem dünnen Haar bis zur Schulter umkränzt und im durchscheinenden Sonnenlicht wirkten die fettigen Strähnen wie sich windende glänzende Fadenwürmer. Jeder erstarrte und nichts regte sich in diesem stickigen Abteil. Der Eindringling sah noch recht jung aus, so um die Dreißig, schäbig angezogen stand er da und wirkte verwahrlost. Und doch, die ungewöhnlich aufgerichtete Haltung des überaus mageren Körpers und die verbissene Mimik erinnerten frappant an Lord Voldemort, den finsteren Gegenspieler Harry Potters. Seltsam klug wirkte der Blick, doch ebenso verfinstert und lauernd.
Seine Augen krallten sich am Sitz mit dem Gepäck fest. Mit beißender Stimme rief er nun:
"Wem gehört dieser Rucksack da!"
Betretenes Schweigen. Der kleine pummelige Teenager, der gleich bei der Tür saß, fing sich als erster.
"Mir" sagte er trocken.
"Bist du zu klein, den Rucksack auf den Gepäckträger zu stellen oder was?"
"Ja genau, aber Sie können ihn ja gerne raufheben!" murmelte der Bursche so undeutlich, als würde er seinen eigenen Mut noch bremsen wollen.
"Höre ich jetzt richtig?? Was hast du da Unverschämtes gesagt? Ich soll den jetzt da raufheben?"
"Ja genau, ich bin eben nicht groß genug, komme nicht rauf!"
Unerwarteterweise packte der Neuankömmling nach kurzem Zögern tatsächlich zu und warf den großen Rucksack mit ungeahnter Kraft in die obere Ablage.
Er trug eine schmierige gelbe Lappentasche an der Seite, beim Setzen öffnete er sie gleich und fischte sich drei alte abgegriffene Dreigroschenheftchen heraus. Das passte nun wirklich nicht zu dem Typ! Oder vielleicht doch?
Jeder blinzelte hinüber und gierte heimlich danach, einen Blick auf die Umschläge zu erhaschen. "Der Landser" stand drauf und in den Innenseiten konnte man U-Boote, Abzeichen und sterbende Soldaten erspähen.
Die Mitreisenden entspannten sich ein wenig, obwohl alle unter den vielen Tätowierungen die verräterischste entdeckt hatten. Zwischen Daumen und Zeigefinger prangte ein nach rechts geneigter Wirbel. Es konnte auch ein Stern sein, dessen vier Strahlen sich durch irgend einen unbekannten Einfluss nach rechts gebeugt hatten. Man brauchte nicht viel Phantasie, um darin das Hakenkreuz zu erkennen.
Zu weiteren Beobachtungen blieb keine Zeit mehr, nur kurz und der seltsame Reisende sprang abrupt auf und verließ überraschend eilig das Abteil in unbekannte Richtung.

Ob er in dem Jungen etwa Harry Potter erkannt hatte? Jedenfalls sagte der grinsend zu seinem Freund:
"Hast du gesehen? der Haberer hieß Peter Petzel!" Allgemeines erleichtertes Lachen...

Aber woher wusste der denn das??

(Nach einer wahren Begebenheit)

Nickname 19.09.2006, 01.36 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Fortsetzung einer tierischen Tragödie ;-)


Erinnert ihr euch noch an die arme Ente K.?

Nun ist es schon elf Monate her, seit sie ganz verstört und einsam ihre Kreise zog.

Tief erschüttert erlebte ich unlängst folgende Episode:

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Still und reglos stand sie da. Müden Blickes starrte sie ins kalte Nass und auch der schönste Sonnenuntergang konnte sie jetzt nicht mehr trösten!

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Gramgebeugt seufzte sie leise vor sich hin und auch die sonst so selbstsüchtigen Entenkollegen konnte sich diesem jammervollen Anblick kaum entziehen.

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Ach oh weh, sie sprang! Des Lebens ganze Schwere war ihr nun doch zu viel geworden!

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Die Gischt spritzte auf, es war, als wollte sie rufen: Oh Leben, oh du! Warum bist du nur so ungerecht und grausam! Erlaubst es den Besten, sich hinwegzuraffen!!!

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Tief bewegt nahmen auch andere an dieser Tragödie Anteil. Ach, hätten sie doch nur....
Doch nun war es zu spät für alles!

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Nur ein Fremder nahm sich ein Herz, er war nachgesprungen und suchte nach der Unglücklichen!

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Nun konnten auch die anderen nicht mehr an sich halten, sie halfen voll später Hingabe bei dieser verzweifelten Suche!

Doch ach,  sie konnten die Unglückliche im goldenen Spiegel der untergehenden Sonne nicht mehr finden.

goldwasser_enten_kl.jpg
zoom

Und wenn sie nicht gestorben sind, so suchen sie noch heute.......
traurig.gif

Nickname 30.08.2006, 00.37 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Satire

Schon lange hatte ich vor, einen vor längerer Zeit geschriebenen Beitrag ein wenig genauer auszufertigen und von dem damaligen Anlass unabhängig zu machen.
Heute am Muttertag ist genau der richtige Tag dafür, handelt diese Satire doch von Frauen und von denen ist doch sicher so manche auch Mutter ;-))

Die Geschichte ist in der linken Seite in der Rubrik "Über" zu finden und heißt "Postfrauen rühren sich"


Nickname 14.05.2006, 17.17 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Der kleine Bläuling

Eines schönen Sommertages schlenderte ich gedankenverloren meines Weges als plötzlich mein Schritt stockte. Da saß vor mir auf dem harten Erdweg etwas ganz Kleines und harrte vertrauensvoll der Dinge die da kommen würden. Ich beugte mich hinunter und vor meinem harten Schatten saß ein kleiner Falter und winkte mir sanft mit seinen Fühlern.


>> Zoom in voller Größe <<

"Was machst denn du an diesem gefährlichen Ort!" raunte ich ihm zu, "willst wohl zertreten werden du Leichtsinniger! Weißt du denn nicht? Die Welt ist böse!"
"Ich bin schön, da wagt es keiner!" hörte ich ihn nach einer Weile sagen.
"Ha, auch wenn du schön bist wird man dich zermalmen! Die Menschen kümmern sich nur um ihr eigenes Glück!"
Nun doch etwas beunruhigt flatterte er kurz mit bebenden Schwingen auf, setzte sich aber bald wieder um jetzt regungslos zu verharren.
Ich wartete geduldig. Endlich sprach er:
"Sieh mal Mensch, was ich mir für eine Mühe gemacht habe mich zu tarnen! Ich habe auf ein makelloses Kleid verzichtet!"
"Na von Mühe kann man da wirklich nicht sprechen, die paar Pünktchen! Wenn du es aber besser gemacht hättest wärest du gewiss durch mich zu Tode gekommen und ich hätte es nicht einmal bedauern können weil ich dich nicht gesehen hätte!"
Ein überraschend schnelles Aufflattern verriet mir seine wachsende Unruhe.
"Oh doch! Viel Mühe habe ich mir gemacht!" Und er setzte sich vor mich hin, breitete ganz kurz seine Flügel aus und zeigte das schönste Blau das ich jemals bei einem Schmetterling gesehen hatte.
"Meine Ahnen haben mich gelehrt es zu verbergen" hauchte er mir fröhlich zu als er schon wieder in den Lüften war um nun endgültig neuen Abenteuern entgegen zu fliegen.
Ich war glücklich und dankbar für die Ausnahme die er für mich gemacht hatte.



>> Zoom zum Größenvergleich <<

Nachwort:

Wenn er flatterte geschah dies so schnell, dass man die Flügeloberseite gar nicht wahrnehmen konnte. Außerdem musste ich lange warten bis er die Flügel endlich einmal geöffnet hatte und das dauerte dann höchstens eine Sekunde!

Kronwicken-Bläuling

Nickname 25.02.2006, 20.33 | (7/5) Kommentare (RSS) | TB | PL

öhm...

Wie ich schon mal geschrieben hatte, schleifte ich unlängst die Autoreifen durch den hüfthohen Schnee und wuchtete sie mit letzter Kraft ins Auto.

Heute beim Reifenhändler:

Der Kerl tut so langsam, möönsch!
"Können Sie mir bitte sagen, wie lange Sie ungefähr brauchen werden? Wissen Sie, in einer halben Stunde muss ich bei der Arbeit sein!" "Das geht sich aber nur schwer aus! Na schau ma mal." Ich ging ins Büro um zu fragen wo das nächste Café ist. "Weit weg, etwa 100 Meter!" *ächz* In dem Moment steckte der Monteur die Nase herein: "die Reifen sind gesteckt, es dauerte nur eine halbe Sekunde." Wie bitte? "Äh...., was??" "Na kommen Sie schauen!"
Ahnungsvolles Nachtrotten.
Verlegenes Pudelgrinsen.
Als ich eilends in den Wagen sprang musste er mir unbedingt noch "Wünsche gute Fahrt" nachrufen, der Kerl! .....Schnell weg....

Öhm..... jaa.... *räusper* ... * ....´ ... . . . ... Ja richtig, ich.... hatte... die Sommerr... Ach, müsst ihr das jetzt wissen?? ... .

Ja, ich weiß, ich bin eine brünette Blondine.

Hiermit ist mein Blog zum Auslachen freigegeben*

(*Ich hatte mir dann im Auto auch die Augen feucht gelacht.)


Nickname 07.12.2005, 23.41 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Überschwemmung in Santiago

Etwa zur Zeit meines fünften Geburtstags, wir wohnten noch im hier beschriebenen Bungalow, begann es in Santiago ungewöhnlich stark zu regnen. Die Stadt liegt nahe dem 34. südlichen Breitengrad, das entspricht auf der nördlichen Halbkugel ungefähr der Lage von Marokko. Aber das Klima ähnelt eher dem Siziliens. Im Jahr des El Niño kann allerdings alles anders sein denn das Meer erwärmt sich ungewöhnlich. Ob er tatsächlich die Ursache dafür war, dass sich die Himmelschleusen wie nie gesehen öffneten weiß ich natürlich nicht.



Santiago in den Sechzigerjahren.
Und so sieht die Stadt jetzt aus. Im Winter, wenn in den Höhen Schnee fällt erstrahlen die Anden, aber heutzutage sieht man sie wegen des Smogs leider nur noch selten.


Unser in einem Außenbezirk gelegenes Bungalow stand direkt an einem Kanal der am Ende der Straße in den Fluss Mapocho mündete.
Es kam wie es kommen musste, der überaus schmutzige Kanal ging über. Zunächst betraf uns das nicht, denn er floß hinter einer hohen Mauer. Jedes Grundstück entlang des Flusses war von solchen Mauern umgeben, aber irgendwie war wohl beim ersten Wasser eingedrungen und der Besitzer schlug ein Loch in die Wand zum Nachbarn um den Fluten Herr zu werden. Der nächste tat es ihm gleich und in einer Kettenreaktion kamen auch wir bald in die Lage es tun zu müssen.

Ich war gerade sehr krank, hatte Lungenentzündung und Gelbsucht zugleich. Als ich diesen Morgen erwachte, fiel mein erster Blick auf den Teppich, er lag so überraschend hoch und ich dachte ich träume. Erst allmählich begriff ich, dass er auf einer braunen Brühe schwamm und auch heute erinnere mich noch gut an mein damaliges Entsetzen!

Meine arme Mutter! Sie war gerade hochschwanger und erwartete ihr viertes Kind. Wir konnten in kein höheres Stockwerk flüchten, es war ja, wie gesagt, ein Bungalow.

Welch eine glückliche Fügung, dass mein Vater in dieser Zeit gerade nicht auf einer seiner ausgedehnten Fotoreisen war. Er war in vielen Jahren allzu oft in der Wildnis verschollen und ging seiner Leidenschaft nach, Land und Leute zu fotografieren. Über die Wüste Atacama bis in die Antarktis hatte er das ganze Land bereist.
Meine Mutter war dann alleine mit vier Kindern und oft wochenlang ohne Nachricht. Ohne Versicherung, mit wenig Geld und ganz schutzlos muss sie oft große Sorgen gehabt haben. Aber sie hatte verlässliche Freundinnen, ohne die wäre es nicht gegangen.

Wie es dann weiterging ist mir entfallen, ich weiß nur, dass ich für einen Monat zu einer sehr lieben "Tante" kam. Die "Deutsche Kolonie" hielt zusammen und man half sich gegenseitig wenn jemand in Not war.

Als dann mein Bruder geboren war und mich meine Mutter abholte, fügte ich ihr eine sehr schwere Kränkung zu. Ich wollte nicht mit und heulte, sagte ihr, die andere sei nun meine Mutti. Ich war von dieser Frau so ungemein liebevoll verwöhnt worden, hatte dort Spielkameraden in meinem Alter, aber zu Hause war es ganz anders, meine Mutter war immer sehr "abgerackert" wie sie zu sagen pflegte und spielte nie mit uns Kindern.
Damit aber kein falscher Eindruck entsteht, ich habe meine Mutter sehr geliebt.

Die schmutzigen Spuren der Überschwemmung an den Wänden des Hauses waren nicht wegzubekommen und wir sind dann sehr bald umgezogen.

Hier sieht man meinen Vater auf Feuerland im Jahr 1959:



Nickname 26.11.2005, 00.19 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL